Besitzer haften, wenn der Baum fällt

Besitzer haften, wenn der Baum fällt

Besitzer haften, wenn der Baum fällt

Im Freiamt sind kürzlich zwei markante Parkbäume dem Wind zum Opfer gefallen. Bei Schäden zahlt die Haftplichtversicherung des Grundstückbesitzers. Regelmässige Kontrollen zur Prävention sind allerdings nicht vorgeschrieben.

Fabian Muster

Montagabend, 12. Juli: Eine starke Windböe, ein lauter Knall und die über 100-jährige Wellingtonia im Pflegipark Muri lag am Boden – glücklicherweise, ohne Schäden an Mensch und Gebäude anzurichten.

Etwas mehr als zwei Wochen später dasselbe Bild in Anglikon: Eine Windböe, ein Krachen und die 60-jährige Trauerweide in der Gartenwirtschaft des Restaurants Vergissmeinnicht lag flach – auch ohne Schäden an Mensch und Gebäude zu verursachen.

Auch Baumpfleger haftbar

Eine Frage stellt sich allerdings: Wer haftet bei Schäden, wenn trotzdem was passiert? «Bei Parkbäumen ist es der Grundstücksbesitzer respektive seine Haftpflichtversicherung», sagt Baumpfleger Guido Wagner, der auch den Murianer Mammutbaum untersucht hat. Heikler wird die Angelegenheit, wenn ein Baumpfleger auf einen geschwächten Baum hingewiesen hat, aber der Besitzer dies ignoriert. «Das wäre schon grobfahrlässig», sagt Wagner.

In diesem Fall könnte der Besitzer bei Schäden angezeigt werden, weil die Sorgfaltspflicht verletzt wurde. Noch delikater wird die Sache, falls der Baumpfleger selbst eine Schwäche des Baumes übersieht und dies der Grund für den Sturz ist. «Dann könnte sogar er mitverantwortlich gemacht werden», vermutet Wagner. Ein solcher Fall sei ihm aber bisher nicht bekannt.

1000 Franken pro Gutachten

Für Baumbesitzer sind regelmässige Kontrollen zur Sturzprävention nicht vorgeschrieben. Der Murianer Mammutbaum wurde dennoch alle zwei Jahre kontrolliert. «Nach Stürmen oder spektakulären Stürzen wie der Wellingtonia erhalte ich die meisten Anfragen von verunsicherten Baumbesitzern für Abklärungen.»

Ein Einzelgutachten kann je nach Grösse und Art des Baumes bis zu 1000 Franken kosten. Trotz des stattlichen Preises hat die Arbeit für Wagner in den letzten Jahren zugenommen. Er erstellt immer mehr Gutachten.

Ist die Diagnose einmal klar und gibt Spezialist Wagner die Empfehlung ab, einen Parkbaum zu fällen, gehen häufig die Emotionen hoch. Doch er relativiert: «Die Leute wehren sich, wenn ein Fällentscheid unbegründet scheint.» Darunter zählt er Fällungen wegen besserer Aussicht oder wegen anstehender Bauarbeiten. Oft spielen auch Nachbarschaftsstreitigkeiten eine Rolle.

«Falls man aber klarmachen kann, dass ein Baum zu 99 Prozent abstirbt und gefährlich ist, wird ein Entscheid normalerweise akzeptiert», weiss der Spezialist von der Firma Sana Baumpflege AG in Meisterschwanden.

Meistgesehen

Artboard 1