Herzogenbuchsee
Berner Teenies werden im Aargau «ausgesetzt»

Zu Fuss und fast ohne Geld suchen 32 Jugendliche bis Samstag den Weg zurück nach Herzogenbuchsee. Sie wurden im Aargau «ausgesetzt». Das ganze ist ein Experiment der reformierten Kirche der Berner Gemeinde.

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Ortsplan in Herzogenbuchsee

Ortsplan in Herzogenbuchsee

Berner Rundschau

Ausgesetzt, irgendwo im Niemandsland, im Sack nur ein kleiner Batzen, auf dem Buckel ein Rucksack mit Mätteli und Schlafsack - was für einige ein Albtraum wäre, wird für 32 Jugendliche am Mittwochmorgen Wirklichkeit. Sie nehmen am Experiment der reformierten Kirche Herzogenbuchsee teil und lassen sich in der Pampa aussetzen. Bis am Samstagnachmittag haben sie Zeit, sich zu Fuss bis nach Herzogenbuchsee durchzuschlagen, wie die Pendlerzeitung 20 Minuten schreibt.

Rund 20 der 32 Teenies werden in zwei Gruppen im Aargau ausgesetzt: eine am Klingnauer Stausee, eine bei Seengen am Hallwilersee. Die dritte Gruppe startet in Sörenberg. Im Gepäck: Schlafsack, Mätteli, Landkarte, Kompass und 33.60 Franken - pro Gruppe. Der Betrag entspricht der Postleitzahl ihres Ziels: 3360 Herzogenbuchsee.

Streitereien erwünscht

«Die Begeisterung für das Experiment unter den Jugendlichen war riesig», sagt Jugendarbeiter Peter Schmid, der das Projekt leitet. Die jüngsten Teilnehmer sind 13, die ältesten sind im Lehrlingsalter. Und was ist Sinn und Zweck dieses Abenteuers? «Im Zentrum steht das Zusammensein. Zusammen etwas unternehmen, sich in dieser Extremsituation als Gruppe arrangieren, ohne Natel und ohne Internet», sagt Schmid. Die Betreuungspersonen haben zwar ein Natel dabei, dürfen es aber nur im Notfall benutzen. Schmid rechnet damit, ja hofft sogar, dass sich die Teenies während der Expedition in die Haare geraten: «Streitereien sind gut für Beziehungen, sie machen die Jugendlichen reifer.»

Zu Beginn des Experiments müssen die Jugendlichen erst herausfinden, wo sie überhaupt sind. «20 Kilometer vor dem Ziel werden den Kindern Augenbinden angelegt», sagt Schmid. Ausgesetzt würden sie dann in einem Waldstück. Nachdem sie sich orientiert haben, müssen die Gruppen von dem Bisschen Geld, das sie bei sich haben, Essbares kaufen und anschliessend die rund 80 Kilometer lange Route zurück nach Herzogenbuchsee planen.

Abends müssen sich die Jugendlichen einen Schlafplatz suchen. «Ob sie unter freiem Himmel oder bei einem Bauer im Stall schlafen, ist den Jugendlichen überlassen», sagt Schmid. Eine Bedingung lautet: Sie dürfen nicht in einer Wohnung übernachten. (ksc)

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