Ursprünglich hätte die Bergung am Montag um 22 Uhr abgeschlossen sein sollen. Damit wird aber nichts. Die Costa Concordia erhebt sich langsamer aus dem Wasser, als angenommen. Deshalb wird sich die Bergung bis Dienstag hinziehen.

Schiff verzogen

Mit Hilfe von Stahlseilen und Flaschenzügen wurde am Montagmorgen der Luxusliner von dem Felsen gehoben, auf dem er seitlich lag. Damit war die schwierigste Phase der Aufrichtung bewältigt. Nie zuvor wurde ein so grosses Passagierschiff geborgen - der 290 Meter lange und 57 hohe Luxusliner ist 114'500 Tonnen schwer.

Nach Angaben von Technikern ist der bisher versunkene Teil des Schiffes stark verzogen. Dies stelle jedoch kein Problem für die Aufrichtung dar.

"Wir haben Massnahmen ergriffen, um die Gefahr einer Verschmutzung der Gewässer auf ein Minimum zu reduzieren", sagte die Präsidentin des Umweltbeobachtungszentrums der Insel Giglio, Maria Sargentini. Jede Stunde werden die Gewässer rund um das Wrack untersucht, um festzustellen, ob umweltschädliche Stoffe ins Meer gelangt sind.

Bisher seien keine giftigen Substanzen aus dem Wrack ausgetreten. Experten berechneten, dass 29'000 Tonnen Müll ins Meer gelangen könnten. Die Menge des giftigen Materials wäre jedoch nicht so gross, dass eine dauerhafte Schädigung des Meeresraums zu erwarten sei: "Die Konzentrationen werden begrenzt sein", sagte der Meeresbiologe Giandomenico Ardizzone.

Verzögerung wegen schlechten Wetters

Der Einsatz, an dem unter der Leitung des südafrikanischen Experten Nick Sloane 500 Menschen aus 30 Ländern beteiligt sind, hätte ursprünglich um 6 Uhr am Morgen starten sollen. Ein Gewitter führte jedoch zu einer Verzögerung.

Wegen der Wetterlage setzten die Techniker die hochkomplexe Maschinerie erst mit drei Stunden Verspätung in Bewegung. Um das Wrack aufzurichten, waren 36 Stahlseile im Einsatz.

Costa Concordia: Die Bergung des Wracks hat begonnen

Costa Concordia: Die Bergung des Wracks hat begonnen

Nach etwa zwei Stunden war eine Änderung der Neigung zu erkennen. Zwölf Mitarbeiter steuerten die Aufrichtung von einem Kontrollraum aus.

Suche nach zwei Toten

Nachdem das riesige Schiff in die Vertikale gebracht wird, soll die Costa Concordia auf einer im Meeresgrund verankerten Plattform fixiert werden. Danach soll die Suche nach den Leichen der letzten beiden Vermissten des Unglücks beginnen.

Erst im Frühjahr kann das Schiff zur Abwrackung an einen anderen Ort geschleppt werden. Die beispiellose Bergung kostet nach Angaben der Betreibergesellschaft der Costa Concordia, Costa Crociere, insgesamt mindestens 600 Millionen Euro.

Drohende Klage wegen Umweltschäden

Der italienische Staat will die Reederei wegen der Umweltschäden verklagen. "Die Umweltschäden werden wir berechnen können, nachdem das Schiff weggeschleppt worden ist. Die Bedingungen für die Forderung von Schadenersatz sind gegeben", erklärte Umweltminister Andrea Orlando.

Die Costa Concordia war am 13. Januar 2012 mit 4229 Menschen an Bord gekentert. Bei dem Unglück starben 32 Menschen. Bei der Evakuierung gab es chaotische Szenen sowie zahlreiche Probleme und Verzögerungen. Vor Gericht in Grosseto steht deshalb Kapitän Francesco Schettino.