Heiner Halder

Als Zeichen seiner Verbundenheit mit der Vaterstadt hat der in Lenzburg lebende und arbeitende Arzt Dr. Hans Dietschi seinerzeit die aufwändige Sanierung des Chlausbrunnens auf dem Metzgplatz finanziert. Neben diesem «Denkmal» hinterlässt der am 21. Oktober 2003 verstorbene leutselige Doktor noch weitere Spuren. Mithilfe des von ihm 1998 testamentarisch verfügten bedeutenden Nachlasses wurde 2004 eine Stiftung «für die bauliche Erhaltung und Renovierung historischer Liegenschaften in Lenzburg» gegründet. Nach der ersten Amtsperiode des Stiftungsrates darf dieser eine durchaus positive Bilanz sowohl in finanzieller als auch in materieller Sicht ziehen.

Historische Liegenschaften

Das letztes Jahr im Sinne einer Öffnung revidierte Reglement definiert die bezugsberechtigten «historischen Liegenschaften» als Bauten in der Altstadtzone A und in den weiteren Schutzzonen B bis H, «soweit ihre heutige Bausubstanz im Wesentlichen vor 1850 errichtet worden ist», sowie von weiteren, vor 1918 errichteten Bauten und Brunnen unter eidgenössischem oder kantonalem Denkmalschutz. Ebenfalls Bauten, die im Kurzinventar der Kantonalen Denkmalpflege oder in der Liste kommunal geschützter Gebäude verzeichnet sind. Beiträge für Schloss Lenzburg und den Hauptbau der Justizvollzugsanstalt sind von Fall zu Fall festzulegen. An die Sanierung der Gebäudehüllen von historischen Liegenschaften von Einwohner- und Ortsbürgergemeinde kann die Stiftung einen Beitrag von bis zu 50 Prozent der effektiven Kosten ausrichten, ebenfalls für denkmalpflegerisch bedeutende Interieurs wie Stuckdecken, Wandverkleidungen, Türen, Böden usw. Bei der Sanierung von Gebäudehüllen privater Eigentümer kann die Stiftung einen Beitrag bis zu 25 Prozent an die denkmalpflegerischen Mehrkosten leisten. Schliesslich können Beiträge von bis 20 Prozent an Fassadensanierungen dieser Bauten ausgerichtet werden, wenn dadurch das Quartierbild der Altstadtzone und der weiteren Schutzzonen aufgewertet wird.

41 Gesuche genehmigt

Im Laufe der letzten vier Jahre hat die Stiftung nach Auskunft ihres Präsidenten, alt Stadtammann Rolf Bachmann, 41 Gesuche bewilligt und insgesamt gegen 600 000 Franken ausbezahlt, womit Investitionen von total über 2 Millionen ausgelöst worden sind. Rund 330000 Franken wurden für 24 Gesuche privater Eigentümer ausgerichtet (z.B. für die alte Hypi, die ehemalige Volksbank, die Liegenschaft Steinbrüchliweg, das Haus im Hof und Fassaden an der Rathausgasse). An zehn Objekte der Ortsbürgergemeinde wie das Burghaldenhaus (Fassaden, Interieur) oder das Cholerahaus gingen etwa 112000 Franken. Die Einwohnergemeinde profitierte in sieben Fällen, u.a. KV-Schulhaus, alter Spittel (Stadtbibliothek), neue Rathaustür, mit ungefähr 130000 Franken. Als nächste Subventionierungs-Vorhaben stehen die Fassade des Försterhauses (Projekt vom Einwohnerrat bereits bewilligt) sowie die Sanierung von Fassaden und Dach des Rathauses an; für Letzteres wird eine Vorlage vorbereitet.

Solide finanzielle Basis

Die Stiftung Dr. Hans Dietschi steht auf einer breiten finanziellen Basis. Dank «guten Papieren» und vorsichtiger Anlagepolitik konnten die bei der Gründung vorhandenen Mittel von rund 6,5 Millionen bis zum Spitzenwert von 11 Millionen gesteigert werden. Die Finanzkrise hat allerdings Buchverluste verursacht, doch stehen bereits wieder 7,6 Millionen zur Verfügung, sagt Quästor Daniel Hug. Der Stiftung gehören nebst ihm und Präsident Rolf Bachmann Vizeammann Daniel Mosimann, Vizestadtschreiber Stefan Wiedemeier und als Nachfolgerin von Stadtrat Jakob Salm «Finanzministerin» Franziska Möhl an. Anlaufstelle für Gesuche ist die Stadtkanzlei in Zusammenarbeit mit dem Stadtbauamt.