Denkmalpflege
Beim Restaurieren wird das Detail gepflegt

Denkmalpflege geschieht oft im Kleinen – die Clarakirche und «Zum süssen Haus» sind zwei Beispiele.

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Clarakirche

Clarakirche

bz Basellandschaftliche Zeitung

Franz Osswald

Wenn im September die Clarakirche in einem Festgottesdienst wieder ihrer Bestimmung übergeben wird, dann wird sie im wahrsten Sinne des Wortes in «alter Frische» erstrahlen. Renovationen an historischen Gebäuden bieten für die Denkmalpflege nämlich immer die Gelegenheit, ein Gebäude in seiner ganzen Struktur zu erforschen und Neues Altes zu entdecken.

Ursprung im 13. Jahrhundert

Die Clarakirche stammte ursprünglich aus dem 13. Jahrhundert, das Basler Erdbeben von 1356 zerstörte sie aber vollständig. Neuste Datierungen haben nun ergeben, dass die Kirche bereits 1370 wieder neu errichtet war. Auch das Glockentürmchen konnte bestimmt werden, es ziert das Dach seit 1530. Seit 1798 können die Katholiken in dieser Kirche Gottesdienste feiern, damals noch paritätisch mit den Reformierten, von 1853 an als alleinige Hausherren.

1859 wurde das Gotteshaus vom Architekten Amadeus Merian erweitert. Ersichtlich ist dies beispielsweise an den kleinen Rundfenstern unter der Decke: Die alten Fenster waren innen bemalt. Zudem sind im alten Teil noch einige Ornamentmalereien erhalten. Die Decke selbst stammt aus dem Jahre 1935 und wurde lediglich aufgefrischt. Darüber hingegen liegt ein Dachstock, dessen Querlatten noch aus dem 14. Jahrhundert herrühren. Auch viele Ziegel sind noch original, die «neuen» datieren auf das 16. Jahrhundert.

Die Aussenfassade wird vollständig neu verputzt. Dazu wurde ein Kalkputz gewählt, dessen Sandanteil dem Gebäude wieder eine natürliche Farbe geben wird. Der alte Putz aus dem Jahre 1974 war ein Kunststoffputz. Die Fenstereinfassungen aus Sandstein werden nicht übermalt, der Stein repariert und wo nötig ersetzt. Im Innern erhalten die Wände einen neuen Anstrich, heller als früher. Beleuchtet wird die Kirche nicht mehr vom Hauptschiff her, die Beleuchtungskörper werden in den Bögen zu den Seitenschiffen installiert werden.

Ganz oben wird der Moderne Tribut gezollt, eine Brandmeldeanlage soll möglichen Schaden abwenden. Ganz unten bleibt der Boden aus Sandstein mit integrierter Bodenheizung unverändert belassen. Die Renovation wird in Zusammenarbeit von Denkmalpflege, Baudepartement (Immobilien Basel-Stadt als Auftragsgeberin), Römisch-Katholischer Kirche und Architekt Harry Roos realisiert.

Alte Eichenfenster erhalten

Worauf die Denkmalpfleger ihren Finger legen, zeigt sich auch an einem Privathaus am Blumenrain 28. Die ältesten Teile des Hauses stammen aus dem 12. Jahrhundert. Auch hier sind es Details, die zu begeistern wissen. Alte Eichenfenster, die erhalten bleiben, weil neue Isolierfenster als Vorfenster dies ermöglichen. Decke und Balken mit Bemalung aus dem 16. Jahrhundert. Eine Riegelmauer, die freigelegt werden konnte, oder eine barocke Täferstube. Trotz Denkmalpflege hat auch die Innovation Platz, zwei Beispiele: Der einst unterteilte Raum mit den Deckenbalken konnte vergrössert werden, weil dies dem Urzustand entsprach.

Integriert wurde ein Badezimmer. Am Deckenrand befindet sich ein Scheibenband. Es macht die gesamte Grösse des Raumes weiterhin erfahrbar und dient gleichzeitig als Lichtquelle. Zu vergeben wären noch zwei Kellergeschosse, deren Nutzung noch offen steht.

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