Grabung

Beilagen für Häuptlingsgrab in der Chrüzmatt entdeckt

Grabung  am Gheidweg zwischen Olten und Wangen b. O.

Grabung am Gheidweg zwischen Olten und Wangen b. O.

Während der Bauarbeiten am neuen Gheidweg zwischen Olten und Wangen b. O. haben die Archäologen ein spezielles Steinbeil gefunden, eine Lochaxt. Davon gibt es in der ganzen Schweiz nur ganz wenige Exemplare.

Es ist ein sehr seltenes archäologisches Fundstück: Die Lochaxt aus der Jungsteinzeit, eine Beilklinge aus geschliffenem Grüngestein, in die ein Loch für den Schaft gebohrt wurde. Denn diese speziellen Steinbeile waren keine gewöhnlichen Handwerksgeräte oder Waffen, sondern dienten vor allem als Statussymbole und Rangabzeichen. Dies könnte der Hinweis auf ein «Häupt-lingsgrab» in der Chrüzmatt sein.

Im Kanton Solothurn sind bis jetzt erst drei sichere Exemplare von neolithischen Lochäxten gefunden worden, eines davon nur fragmentiert und alle drei weniger aufwändig gearbeitet als der neueste Fund. Auch aus der übri-gen Schweiz gibt es nur wenige ganz erhaltene Lochäxte. In der Regel stammen sie aus Seeufersiedlungen (Pfahlbauten) oder aus Gräbern. Die Beilklinge stammt aus der sogenannten Schnurkeramischen Zeit, einer Epoche der Jungsteinzeit, die in die Zeit von 2800-2500 v.Chr. datiert.

Die Geländeterrasse südlich der Dünnern zwischen Olten und Wangen b. Ol-ten ist seit den 1930-er Jahren als Steinzeitfundstelle bekannt. Deshalb beglei-tete die Kantonsarchäologie die Aushubarbeiten für den neuen Gheidweg und die neuen Werkleitungen. Dabei ist die Kantonsarchäologie auf Reste von mehreren, zeitlich sich ablösenden Landsiedlungen gestossen. Darauf weisen über Tausend Steinartefakte, die über das Gelände streuen, sowie eine Feuerstelle und drei Gruben. In einer davon kamen mit über sechs Kilogramm Silices («Feuersteinen») und über einem Kilogramm Keramikfragmenten eine ungewöhnlich grosse Menge an Fundmaterial zum Vorschein. Silex oder Feu-erstein war der Werkstoff, aus dem die Menschen der Steinzeit ihre Werkzeu-ge und Waffen herstellten. In der im Gheid gefundenen Grube entsorgten die jungsteinzeitlichen Werkzeugmacher ihren Abfall und verloren auch das eine oder andere Werkzeug wie eine Pfeilspitze oder eine sogenannte Dickenbännlispitze, eine Werkzeugform, die vor knapp 100 Jahren erstmals auf dem Oltner Dickenbännli gefunden und nach dem Fundort benannt wurde. Diese Werkzeuge wurden um 4000 v.Chr. hergestellt.

In der Gegend um Olten stösst die silexführende Gesteinsschicht stellenweise bis an die Oberfläche. Schon vor über 6000 Jahren wurde dieser Silex am Born und im Chalchofen an der Gemeindegrenze zwischen Olten und Wangen abgebaut, weiterverarbeitet und im ganzen Schweizer Mittelland verhandelt. Im Chalchofen hat die Kantonsarchäologie zur Zeit die einzigartige Gelegenheit, ein solches steinzeitliches Bergwerk zu untersuchen. Stollen und Gänge wurden mit Geweihhacken und Holzstangen aus dem Fels herausgehauen, um an die begehrten Silexknollen zu kommen. Ein «Tag der offenen Ausgrabung», an dem die Reste des Silex-Bergwerks besichtigt werden können, ist geplant.

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