Barbara Vogt

Auf dem Tisch stehen drei Wassergläser, Basler Läckerli, indische Kokosbällchen und Erdbeeren. Diese sind knallrot und munden herrlich. «Ein Bauer aus der Region verkauft sie bereits», so Karin und Tony Baechle. Weil die beiden waschechte Basler sind, dürfen die Basler Läckerli keineswegs fehlen. Die Kokosbällchen hingegen sind so exotisch wie der Beruf von Karin Baechle: Ayur-Yogalehrerin. In ihren Yogaunterricht lässt sie die uralte Heilkunst Ayurveda einfliessen. Das unterstreicht auch die goldene Froschfigur im Garten: «Meine Lichtquelle».

Im Fluss zu sein, fällt dem Ehepaar leicht, seit es in einer Wohnung des alten Kosthauses der Spinnerei Kunz in Windisch wohnt. Das Haus grenzt an den Kanal, hinter einem Waldstreifen fliesst die Reuss. Von der Holzveranda aus blickt man aufs Wasser, das an diesem Nachmittag von der Sonne grün schimmert. Ein kleines Paradies. «Wir leben und arbeiten in den Ferien», sagt das Ehepaar freudestrahlend.

«Noch nie haben wir einen Wohnort so genossen wie dieser.» Dieser strahlt eine besondere Energie und Ruhe aus, das schätzt Unternehmensberater Tony Baechle: «Seit ich hier wohne, arbeite ich effizienter.» Obwohl die Stille dem Ehepaar nach seinem Einzug vor gut einem Jahr unheimlich vorkam. «Wir lebten über 20 Jahre in der Stadt Zürich, an die Ruhe nachts mussten wir uns gewöhnen.» Auch an ihren Mitbewohner Josef, der in der Form eines Bibers auftritt und mit dem Feigenbaum im Garten kurzen Prozess gemacht hat.

Die beiden haben sich sofort in die Oase an der Reuss verliebt. Als Yogalehrerin habe sie schon immer eine Vision gehabt, am Wasser zu wohnen und zu unterrichten, erzählt Karin Baechle. Diesen Traum hat sie sich erfüllt: Im ersten Stock des Wohnhauses, das wie der Garten fernöstlich wirkt, befindet sich ihre Praxis. Wenn es schön ist, unterrichtet die Yogalehrerin im Freien. «Indisch-Windisch», nennt sie es.

«Hier bin ich von Kraftplätzen nur so umgeben: Amphitheater, Klosterkirche, Emma-Kunz-Grotte.» Auch schwärmt das Ehepaar vom besonderen Klima, das in Windisch herrschen soll. Hier gebe es nicht so krasse Unterschiede wie in anderen Regionen, «im Sommer ist es angenehm warm, im Winter gibts praktisch nie Nebel.»

Karin und Tony Baechle sind in Windisch bereits gut bekannt. «In den Läden werden wir mit dem Namen angesprochen», sagen die beiden. Überhaupt seien die Aargauer freundlich und humorvoll - im Gegensatz zu den Zürchern. Nur findet es Tony Baechle schade, dass Windisch (noch) so unbekannt ist. «Hier liegt ein grosses Potenzial. Der Ort ist attraktiv und liegt an einer tollen Verkehrsachse.» Er setzt sich politisch und bewusst für das Standort-Marketing ein. Diesen Beitrag leistet er noch so gerne: «Unser Wohnort ist wie ein Geschenk, da gebe ich gerne etwas zurück.»