Bei hohen Mietzinskautionen wird Hilfe geboten

Ansturm: Christoph Langscheid, Geschäftsführer der Stiftung, und Eveline Krähenmann, zuständig für die Mietzinsbürgschaften, werden mit Anträgen überhäuft. (Heinz dürrenberger)

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Ansturm: Christoph Langscheid, Geschäftsführer der Stiftung, und Eveline Krähenmann, zuständig für die Mietzinsbürgschaften, werden mit Anträgen überhäuft. (Heinz dürrenberger)

Die Krise wird den Wohnungswechsel fördern. Das von Vermietern verlangte Mietzinsdepot können viele Menschen nicht bezahlen. Eine Lösung bietet eine Basler Stiftung an.

Esther Jundt

Seit einigen Jahren verlangen Wohnungsvermieter von Neumietern ein Mietzinsdepot in der Höhe von bis zu drei Monatsmieten. Mit diesem Geldbetrag werden Mietzinsrückstände oder Schäden an der Wohnung bezahlt, die nach dem Auszug behoben werden müssen. Den hohen finanziellen Aufwand für diese Mietzinskaution können sich viele Menschen nicht leisten. In solchen Fällen übernimmt entweder ein kommerzieller Anbieter oder die Stiftung Edith Maryon eine Bürgschaft. Die Stiftung lancierte dazu das Projekt «Solidarische Mietzinssicherstellung». Seit Januar 1998 übernimmt sie Bürgschaften.

Inzwischen wurden rund 4000 Bürgschaften gesprochen, das sind jährlich zwischen 400 und 500. Die Wirtschaftskrise mache sich bereits bemerkbar, sagt Eveline Krähenmann im Gespräch mit der bz. Sie ist in der Stiftung für die Mietzinsbürgschaften zuständig. In diesem Jahr habe sie bereits 270 Bürgschaften übernommen, zehn Prozent mehr als im Vorjahr. «Ich gehe davon aus, dass sich die Zahl der Anfragen im nächsten Jahr verdoppelt», erklärt sie. «Ich werde voraussichtlich überrannt mit Anfragen».

Viele Menschen würden von der Arbeitslosenkasse ausgesteuert, andere hätten keine Arbeit und müssen eine kleinere Wohnung mieten. Zudem erhalten die Mieter das Depot der ehemaligen Wohnung oft viel später ausbezahlt, weil der Vermieter den Betrag erst frei gibt, wenn alle finanziellen und sonstigen Forderungen abgegolten sind.

15 Prozent in Solidaritätsfonds

Das Modell der Stiftung sieht vor, dass der Mieter eine Einschreibegebühr von 200 Franken bezahlt. Zur Risikoabdeckung muss er 15 Prozent des vom Vermieter geforderten Depotbetrages in den Solidaritätsfonds einbezahlen. Bei Sozialhilfeempfängern berappt die Sozialhilfe diesen Betrag. Schliesslich übernimmt der Solidaritätsfonds der Stiftung das gesamte Depot und bezahlt die entsprechende Summe dem Vermieter.

Der Solidaritätsfonds wird durch die Einlage der Mieter sowie durch Erträge gespiesen. Laut Krähenmann müssen 20 bis 25 Prozent der Bürgschaften dem Vermieter ausbezahlt werden, weil der Mieter in der Wohnung grosse Schäden hinterlassen oder den Mietzins nicht bezahlt hat. Es würden jährlich rund 150 000 Franken an Liegenschaftsbesitzer ausbezahlt. Die Stiftung bezahle mehr Geld aus als sie einnimmt, betont Christoph Langscheid, Geschäftsführer der Stiftung. Keine Bürgschaften gibt es für Gewerbebetriebe.

Zwischen der Stiftung und der Sozialhilfe Basel-Stadt besteht eine vertragliche Zusammenarbeit. Die meisten Kunden der Stiftung kommen von der Sozialhilfe oder von sozialen Institutionen. Aus dem Baselbiet schicken die Sozialdienste der Gemeinden die Kunden zur Edith Maryon Stiftung. Zudem verweisen inzwischen auch Liegenschaftsverwaltungen Neumieter an die Stiftung. Eine Übernahme des Mietzinsdepots würden auch viele junge Paare verlangen, wo beide arbeiten, aber kein Vermögen haben, stellte Krähenmann fest. Ohnehin gehören viele junge Menschen zu den Antragsstellern. Seit einiger Zeit kommen sogar Anfragen von Leuten, die ausserhalb der Region wohnen. Sollte sich die Krise tatsächlich im befürchteten Ausmass niederschlagen, müsste für den Solidaritätsfonds eine Limite erstellt werden, sagte Langscheid. Unendlich können die Gelder aus diesem Fonds nicht fliessen.

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