Dialog: Behinderter bei Ausflug an die Reuss gebüsst
Behinderter bei Ausflug an die Reuss gebüsst

Weil der gelähmte Thomas Unteregger aus Wohlen ein Fahrverbot verletzte, hat ihn die Bremgartner Polizei gebüsst. Nach ihr hätte er die gesamte Strecke im Rollstuhl zurücklegen müssen.

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Behinderter bei Ausflug an die Reuss gebüsst

Behinderter bei Ausflug an die Reuss gebüsst

Fabian Hägler

Thomas Unteregger leidet an der unheilbaren Nervenkrankheit ALS und ist vom Hals an abwärts gelähmt. Mit seinem Elektrorollstuhl kann er sich fortbewegen, für längere Strecken ist er aber auf einen Fahrdienst angewiesen.

«An einem heissen Tag vor rund drei Wochen holte mich die Hospizfrau mit dem Spezialfahrzeug ab, wir fuhren an die kühle Reuss unterhalb von Fischbach-Göslikon», erinnert sich Unteregger. Der gemeinsame Ausflug wurde für den 53-jährigen dann aber unverhofft zum Ärgernis.

Polizei verteilt Bussen

«Kaum hatten wir unser Auto beim Wendeplatz parkiert und ich war im Rollstuhl unter einen schattigen Baum gefahren, tauchte die Regionalpolizei Bremgarten auf und begann Bussenzettel zu verteilen», sagt er. Der Grund: Auf dem Weg zur beliebten Sandbank gilt samstags und sonntags ein Fahrverbot. Unteregger betont: «Rein juristisch gesehen, haben die Polizisten richtig gehandelt.»

Er ergänzt aber: «Wegen meines schlechten Gesundheitszustandes und der herrschenden Hitze war es für mich einfach nicht möglich, die Fahrverbotsstrecke im Rollstuhl zurückzulegen.»

Dies versuchte Unteregger auch den Polizisten zu erklären. «Anfänglich wies ich die Polizei mit viel Humor und Freundlichkeit auf meine komplette Lähmung von Kopf bis Fuss hin», sagt der frühere Wohler Einwohnerrat.

Sein Hinweis, dass er den Platz an der Reuss nicht ohne Fahrzeug erreichen könne, und die Bitte, ein Auge zuzudrücken, stiessen bei den Polizisten «auf wenig Verständnis», wie Unteregger ausführt. Er erzählt weiter: «Einer von ihnen sagte mir, dass ich als Behinderter gesunden Fahrzeughaltern gleichgestellt sei und er sich ans Strassenverkehrsgesetz halten müsse.»

Einsprache gegen Busse

Unteregger ist enttäuscht: «So geht man mit schwerstbehinderten Menschen einfach nicht um.» Die Weltgesundheitsorganisation setze sich seit 2005 für das Recht von Behinderten auf Mobilität und zur Partizipation an allen Lebensbereichen ein, betont Unteregger. Und: «Mein Fall ist ein konkretes Beispiel, wie man uns Behinderten mit Verständnis und Menschlichkeit das Leben erleichtern könnte.»

Unteregger will das Vorgehen der Regionalpolizei Bremgarten nicht einfach hinnehmen und hat eine Einsprache gegen die Busse eingereicht.

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