Andreas Maurer

In vielen Gärten stolzer Einfamilienhausbesitzer dauert Weihnachten immer länger: Die Weihnachtsbeleuchtung strahlt oft den ganzen Winter lang und wird erst kurz vor Ostern ausgeschaltet. Es scheint, als ob Weihnachten auch immer früher beginnt. In vielen Warenhäusern weihnachtet es bereits seit den Herbstferien. In Basel stehen seit einigen Tagen schon die ersten Weihnachtsbäume. Einige sind bereits mit Lichterketten behängt und erhellen die Nacht. In der Freien Strasse ist es ebenfalls bald so weit: Die traditionellen Lichterbögen liegen auf dem Asphalt bereit zur Montage.

«Weihnachten beginnt nicht immer früher. Der Eindruck täuscht», betont Sabine Horvath, Leiterin des Basler Standortmarketings. Dieses Jahr wird die Beleuchtung sogar zwei Tage später als bisher angeknipst. Üblich ist der letzte Dienstag vor dem ersten Advent. Dieses Jahr drückt Stadtpräsident Guy Morin erst am 26. November auf den Knopf. Zum gleichen Zeitpunkt wird dann auch der Basler Weihnachtsmarkt eröffnet, zwei Tage früher als in den Vorjahren.

Trotzdem leuchten bereits die ersten Weihnachtsbäume. «Das sind nur kurze Tests», beteuert Horvath. Damit die Bäume und die Beleuchtung auf Morins Knopfdruck bereit sind, müsse rechtzeitig mit der Montage begonnen werden. Dazu gehört auch nächtlicher Probebetrieb der Beleuchtung.

Heinz-Peter Mooren, Präsident der römisch-katholischen Kirche Basel-Stadt, staunte, als er beim Gang über die Lyss kürzlich den ersten Weihnachtsbäumen begegnete. Da dies aus logistischen Gründen offenbar nötig sei, habe er nichts dagegen einzuwenden. Grundsätzlich befürwortet er Basels Weihnachtsbeleuchtung: «Sie verkörpert ja nicht nur den Kaufzwang, sondern stellt auch eine Vorfreude auf das Weihnachtsfest dar.» Das Ausmass der Beleuchtung stellt er aber in Frage. «Es ist jedoch auch notwendig, dass die Leute bestimmte Ereignisse in entsprechendem Rahmen feiern und auch nach aussen darstellen können. Ich toleriere und befürworte das», sagt Mooren.

Enthusiastischer klingt Roger Thiriet, Mediensprecher der evangelisch-reformierten Kirche Basel-Stadt. Weihnachtsbeleuchtung kann aus seiner Sicht nicht zu früh aufgehängt werden. Hauptsache, die Leute wüssten noch, was Weihnachten bedeute. «Werden sie durch die Weihnachtsbeleuchtung an die Geburt unseres Religionsstifter erinnert, ist es umso besser, wenn diese teilweise schon Mitte November leuchtet.»

Kritik an Basels Weihnachtsbeleuchtung ist Horvath nicht bekannt. Im Gegenteil: «Die Basler Weihnachtsatmosphäre wird sehr geschätzt. Basel kann sich sicher zu den schönsten Weihnachtsstädten Europas zählen.»

Dieser Titel ist mit einem beträchtlichen Energieverbrauch und zunehmender Lichtverschmutzung verbunden. Eine Reduktion der Weihnachtsbeleuchtung ist für Horvath kein Ziel, denn sie möchte Basel noch stärker als Weihnachtsstadt positionieren. Und: «Weihnachtsstimmung lässt sich nicht ohne Beleuchtung erzeugen.» Allerdings würden vermehrt energiesparende Lampen eingesetzt.

Die IG Steinen ist in dieser Hinsicht besonders umweltfreundlich: Sie verzichtet dieses Jahr auf eine Weihnachtsbeleuchtung in der Steinenvorstadt - allerdings aus Kostengründen (die bz berichtete). Geldsorgen hat auch der Verein KMU Liestal, der die Weihnachtsbeleuchtung am 27, November anschaltet. Einige Trittbrettfahrer würden keine Beiträge zahlen, bedauert Vorstandsmitglied Regula Nyfeller Birkenmeier. «Eine Weihnachtsbeleuchtung wirkt sich ganz klar verkaufsfördernd aus», betont sie.

«Umso besser, wenn die Weihnachtsbeleuchtung schon Mitte November an die Geburt unseres Religionsstifters erinnert.»

Roger Thiriet, Reformierte Kirche BS