Nacht
Begegnung von Land und Stadt

Ausgelassene Stimmung an einer – zumindest wettermässig – trockenen Burghofnacht in Aeschi

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Burg

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Solothurner Zeitung

Niklaus Stuber

Der Mähdrescher macht seinen Unterstand frei für das Partyvolk. Das unglaubliche Gemüse wartet auf dem Landwirtschaftsbetrieb der Familie Aeschlimann in Aeschi nicht für den Verkauf auf dem Markt, «The Incredible Vegetables» aus Solothurn rocken, bluesen, soulen, funken und bringen jung und alt in Stimmung - es ist Burghofnacht am Aeschisee.

Jung und alt

Wo noch vor wenigen Tagen Gräfin Mariza & Co. österreich-ungarische K.-u.-K.-Stimmung verbreiteten, tanzt das Jungvolk auf Strohballen zum Disco-Sound - und auch nicht mehr ganz jung Gebliebene geniessen diese Freiluft-Ambiance. Etwas weiter hinten zeigt «Jack Minning's Ego», dass auch die Emmentaler den Country-Sound beherrschen und zu rocken wissen. Danach gibts zu Guinness irischen Sound mit Owen Gerrard (oder Gerrard mit Guinness) für ein eher mittelalterliches bis älteres Publikum - mindestens Achtzehnjährige (die Eintrittskontrolle war seriös) gehen ebenso begeistert mit. Bunt gemischt - und einträchtig - geniessen junge und ältere Erwachsene, die von Petrus für die Burghofnacht verordnete Regenpause

Ebenso bunt gemischt ist die Herkunft der feste Festenden, wie Autokennzeichen und Dialekte bewiesen: Aus allen Ecken der Schweiz sind sie angereist, «sogar aus dem Thal», wie Beat aus Matzendorf festgehalten haben will. Nicht nur die Ohren werden für ihr Kommen reichlich belohnt. Überall stehen Speis und Trank bereit.

Wo sonst die Kühe saufen, trinkt männiglich nun Shots und Bier. Von Pommes über Bami Goreng und Börgers bis Hörnli mit Fleischkäse und Spiegelei kann nach jedem Gusto «bödelet» werden. Ganz hinten rechts, im Raclette-Spycher, gibt es Raclette mit «Zündstoff». Nicht die zu Beginn fehlenden Härdöpfu (was ist ein Raclette ohne Kartoffeln?) sind der Zündstoff, die gleichnamige Tiroler Partyband ist es. Sie bringt die Stimmung zum Explodieren. Zu Raclette gibts auch eingelegte Silberzwiebeln. Lasst euch sagen, die ihr die ungeliebten weissen Dinger wieder der Erde zukommen lasst: Sie werden wohl eher von der sonntäglichen Putzequipe als vom nächsten Erntekommando weggeräumt werden.

Land und Stadt begegnen sich, kommen sich näher. Die Freundschaft ist praktisch zu riechen: Landwirtschaft, Ausgangsparfüm und -rasierwasser sowie die verschiedenen kulinarischen Düfte vermischen sich zum unvergleichlich üppig-geruchlichen Burghof-Strauss. Zur Burghofnacht fährt man mit dem Auto. Die Organisation ist bestens eingerichtet - die Traktoren mit ihren hohen Rädern stehen bereit, sollte ein tief gelegtes Auto im noch tieferen Feld stecken bleiben. Die Aktion des Blauen Kreuzes beweist es: Manch eine(r) hat dem Flüssigen mehr zugesprochen, als es die Polizei erlaubt. Die Taxiaktion (10 Franken Reduktion für eine Rückfahrt ab dem Festgelände) ist ein voller Erfolg. Wie viele vom Angebot Gebrauch gemacht haben, weiss man beim Taxiunternehmen nicht: «Die Chauffeure schlafen jetzt.»

Zur Burghofnacht fährt man mit dem Auto? Nein. Mit dem Velo. Stahlross reiht sich an Stahlross. 500 Gutscheine für ein Gratisgetränk liegen für die fitten Zweiradfahrer bereit. Die sind schon bald aufgebraucht, Improvisation ist angesagt. Mehr als zehn Prozent der Besucher kamen mit dem Velo ans Fest. Ein Erfolg. Denn rund 5500 Personen, schätzt Co-Organisator Urs Bucher, haben die Burghofnacht besucht. Alles friedlich, keine Probleme und altersmässig erfreulich gut durchmischt, stellt er fest. Wenn auch ein deutliches Altersgefälle von Ost nach West, von irischer Volkmusik zur Disco im Kuhstall feststellbar ist, an einem Örtchen bleibt der Altersdurchschnitt konstant.

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