Tresorknacker
Bedingte Strafe für einen Tresorknacker

Weil er nicht zur Verhandlung erschienen war, hat das Bezirksgericht Brugg einen Einbrecher aufgrund der Akten verurteilt. Er «fasste» zehn Monate bedingt.

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Tresor

Tresor

Aargauer Zeitung

Louis Probst

Nach dem Konsum von immerhin «ca. vier bis fünf grossen Bieren à 0,5 Liter sowie einer Linie Kokain», so die Erkenntnis der Anklage, hatte sich der mittlerweile 30 Jahre alte Mann aus einem südosteuropäischen Land, spät in einer Vorfrühlingsnacht, ans Steuer seines Wagens gesetzt. Zusammen mit drei Landsleuten - von denen zwei bis dato unbekannt geblieben sind - fuhr er von einem Nachtklub in Schinznach-Bad zu einer nahegelegenen Klinik. Das Quartett trug sich allerdings nicht mit der Absicht, sich kurieren zu lassen.

Der Tresor auf der Schubkarre

Nach dem Aufbruch eines Kippfensters stiegen die vier Männer ins Büro des stellvertretenden Verwaltungsdirektors ein. Im Büro wurden eine Holzverkleidung aufgewuchtet und zwei Türen aufgebrochen. Anschliessend verluden die Einbrecher einen Tresor vorerst auf eine Schubkarre und später in ein Auto. Abtransportiert wurde zudem eine Registrierkasse. In einem Waldstück bei Gränichen wurde der Panzerschrank vorerst deponiert und am folgenden Tag aufgewuchtet.
Aus dem Geldschrank fielen dem Panzerknacker-Quartett neben Fr. 22 897.80 in bar auch Briefmarken im Wert von 200 Franken sowie Telefonkarten im Wert von 75 Franken in die Hände. Hinterlassen hatten die Einbrecher am Tatort zudem einen Sachschaden, der auf 4000 Franken beziffert wurde - abgesehen vom Tresor, für den 3500 Franken geltend gemacht wurden. Gemäss den Angaben, die der geständige Angeklagte später machte, hatte er einen Anteil an der Beute von 2000 Franken erhalten.

Eine beachtliche Deliktsliste

Im Fischzug auf die Klinik sah die Staatsanwaltschaft Diebstahl, Sachbeschädigung und Hausfriedensbruch. Vorgeworfen wurden dem Angeklagten zudem mehrfache Widerhandlungen gegen das Strassenverkehrsgesetz und gegen das Betäubungsmittelgesetz sowie mehrfache Drohung und Beschimpfung. Die letzteren beiden Vorwürfe hatten ihren Hintergrund darin, dass der Angeklagte Feuer für eine Landsmännin - und Arbeitskollegin seiner Ehefrau - gefangen hatte. Weil die Angebetete jedoch nichts von ihm wissen wollte hatte er sie als «billige Schlampe» und «billige Nutte» tituliert. Zudem hatte er gedroht, sie und ihre ganze Familie umzubringen.

Die Staatsanwaltschaft beantragte eine bedingte Freiheitsstrafe von 10 Monaten, eine Geldstrafe von 30 Tagessätzen zu 50 Franken und eine Busse von 1000 Franken. Sie forderte zudem den Widerruf des bedingten Erlasses einer Geldstrafe, die ein Solothurner Gericht verhängt hatte.
Weil es der Angeklagte offensichtlich vorzog, nicht zur Gerichtsverhandlung zu erscheinen, wurde das Urteil aufgrund der Akten gefällt. Das Bezirksgericht Brugg sprach dabei den Angeklagten im Sinne der Anklage schuldig, und es folgte, bis auf die Geldstrafe und den Widerruf der bedingten Vorstrafe, dem Antrag der Staatsanwaltschaft.