Erdbeben
Beben reisst Region aus Schlaf

Das Erdbeben von gestern Morgen war sogar in der Zentralschweiz zu spüren Unsanft wurden Baselbieter und Basler gestern Morgen aus dem Schlaf gerissen. Ein Erdbeben der Stärke 4,3 erschütterte die ganze Region. Für den Schweizerischen Erdbebendienst aber kein Grund zur Panik.

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Richterskala

Richterskala

bz Basellandschaftliche Zeitung

Muriel Mercier

Obwohl es sich bei der Stärke 4,3 laut Richterskala nur um ein «leichtes» handeln soll, hat das Erdbeben gestern Morgen um 3.30 Uhr unzählige Menschen in der Region aus dem Tiefschlaf geholt. Und nicht nur in der Region: «Die Erschütterung war bis in den Kanton Thurgau, in die Zentralschweiz und in den Kanton Bern gut spürbar», erklärt Donat Fäh, Seismologe beim Schweizerischen Erdbebendienst (SED).

Das Epizentrum des Erdbebens befand sich in Süd-Deutschland, genauer in Kandern - also rund 16 Kilometer nordöstlich von Basel. Trotz sekundenlangem merklichen Schütteln haben sowohl die Baselbieter als auch die Basler Polizei keine Schadensmeldungen entgegengenommen, wie die beiden Polizeisprecher Meinrad Stöcklin und Klaus Mannhart versicherten. Erschrocken seien die Leute aber dennoch: «Bei uns sind rund zwei Dutzend Notrufe eingegangen - die meisten in den Minuten direkt nach dem Erdbeben», fasst Stöcklin zusammen. Viele seien verängstigt gewesen und hätten gefragt, ob eine Explosion stattgefunden habe. In Basel-Stadt haben die Polizisten rund 50 Anrufe entgegengenommen - panische waren keine darunter. «Ausnahmslos wollten die Leute das Erdbeben einfach melden. Und einzelne haben auch aus Neugier angerufen.» Einzig 916 Kunden der EBM scheinen unter dem Erdbeben gelitten zu haben, denn im Gebiet Schweizerhalle fiel für fünf Minuten der Strom aus.

Dass auf Grund des frühmorgendlichen Erdstosses keine Schäden - beispielsweise an Häusern - entstanden sind, wundert Peter Huggenberger, Leiter der Angewandten Umweltgeologie an der Universität Basel nicht. «Mit einer Stärke von 4,3 liegen wir im unteren Bereich der Schadensgrenze. Mit kleineren Schäden muss man erst ab einer Stärke von 4,5 bis 5 rechnen.» Man könne sich aber nicht allzu sehr an diese Skala klammern.

Könnte man das, würden die Erdbeben rund um die Geothermie-Bohrungen in Basel aus dem Rahmen fallen. Zwischen Dezember 2006 und Januar 2007 jagten Dutzende von kleinen bis deutlich wahrnehmbaren Erdbeben der Bevölkerung einen Schrecken ein. Das Seismo-Zentrum der ETH Zürich zeichnete damals Erdstösse mit Stärken zwischen 0,9 und 3,4 - auf der Richterskala mit «klein» benannt - auf. Trotz eines geringeren Wertes als gestern wurde damals mehr beschädigt.
Seismologe Fäh weiss warum: «Das Epizentrum des gestrigen Bebens befand sich zwischen acht und elf Kilometern unter der Erdoberfläche. Bei den Beben auf Grund der Geothermie-Bohrungen war es nur fünf Kilometer tief und zudem in einer bewohnten Gegend.» Die Panik sei vor zweieinhalb Jahren tatsächlich grösser gewesen, stützt Mannhart Fähs Aussage: «Damals haben uns mehr Leute angerufen.»

Auf der Richterskala werden Erdbeben nach Stärken zwischen 0,1 als «Minimal» und 10 als «vernichtend» gemessen. Beide, Huggenberger sowie Fäh, schliessen nicht aus, dass sich in der Schweiz schwerere Erdbeben als das gestern ereignen können. «Basel wurde ja 1356 von einem Erdbeben von ungefähr 6,5 heimgesucht», führt Fäh aus. Und Huggenberger fügt hinzu: «Die Landschaft in Basel und Umgebung, zum Beispiel der Tafeljura, ist unter anderem auch das Resultat der Erdbeben in der Vergangenheit.»