BD-Bahn gleitet stilvoll in die Zukunft

Festtag bei der Bremgarten-Dietikon-Bahn: Zwei Hochseilartistinnen schwebten im Himmel des BD-Bahndepots in Bremgarten. Bonnie Jeanne Taylor intonierte den Ohrwurm «Diamonds are forever». Da öffnete sich der Vorhang für den ersten «Diamant»-Triebwagen der BDWM-Transport AG.

Merken
Drucken
Teilen

Jörg Baumann

BDWM-Direktor Severin Rangosch sprach an der Einweihungsfeier für den eleganten «Diamant»-Triebwagen fast gerührt von einem «Jahrhundertereignis». Es komme nur alle paar Jahrzehnte vor, dass eine Bahn so tolles Rollmaterial beschaffen könne.

So stilvoll wie die Rede des Direktors war auch die von der früheren Fernsehfrau Silvia von Ballmoos moderierte Feier. Hundert handverlesene Gäste genossen sie und setzten sich nachher in den komfortablen und technisch perfekt ausgerüsteten Zug - mit dem stolzen Gefühl, das sei eben doch auch ihre Bahn.

Riesensprung in 100 Jahren

«Die Bremgarten-Dietikon-Bahn ist von der Überlandbahn zur modernen S-Bahn geworden», sagte BDWM-Verwaltungsratspräsident Herbert Huber. Die BD-Bahn habe für die ersten beiden Fahrzeuge noch 19515 Franken pro Stück bezahlt. Diese seien zehn Tonnen schwer gewesen und hätten bei einer Leistung von 70 PS eine Höchstgeschwindigkeit von 25 Kilometern in der Stunde erzielt, berichtete Huber.

Mit den 14 bestellten neuen «Diamant»-Triebwagen beschaffe die Bahn gut hundert Jahre nach ihrer Eröffnung bereits die sechste Rollmaterialgeneration. Zum Vergleich: Der neue Triebwagen bringt es auf eine Höchstgeschwindigkeit von 80 Kilometern in der Stunde und kostet pro Stück 5,7 Millionen Franken. «Immer, wenn wieder ein neuer der 14 Triebwagen eintrifft, gibt es ein Fest - nur nicht mehr ein so grosses wie heute», versprach Huber. Die Bahn habe in den letzten Jahren 40 Millionen Franken in die Infrastruktur und nun 90 Millionen Franken in das Rollmaterial investiert und befinde sich seit Jahren auf einer beispielhaften Erfolgsspur, «um die uns viele andere Firmen beneiden».

«Wir haben über zwei Jahre auf diesen Tag der Einweihung hingearbeitet», erklärte Direktor Severin Rangosch. Mit den neuen Triebwagen steigere die Bahn den Komfort für die Reisenden enorm. «Vor zehn Jahren war eine Klimaanlage in einer Bahn nahezu undenkbar. Jetzt haben wir sie auf unseren Diamant-Zügen», sagt er.

Erstmals mit erster Klasse

«Die Bahn führt nun auch die erste Klasse ein», sagte ein sichtlich stolzer Rangosch. Das habe sich aufgedrängt, weil viele Leute bereits im Besitz eines Erstklass-Abonnements seien. Alle Züge seien zudem mit einem Niederflureinstieg ausgerüstet. Damit erfülle die Bahn eine Forderung des Behindertengleichstellungsgesetzes.

«Die SBB sieht gegenüber unseren Neuerungen fast ein wenig alt aus», stellte Rangosch einen Vergleich zum «grossen Bruder» an. Die BD-Bahn wirke auf die Reisenden wie eine «kleine Zeitmaschine», in der man schlafen, lesen oder telefonieren könne. Zudem fahre die Bahn nun auch viel geräuscharmer in den Kurven, betonte der BDWM-Direktor. «In den Zügen zeigen wir sogar Trickfilme - nach dem Motto «Wer guckt und lacht, der randaliert nicht».

Wer soll das bezahlen?

Mit Stolz, aber auch mit einigen Sorgen blickte Regierungsrat Peter C. Beyeler in die Zukunft. Die Entwicklung des öffentlichen Verkehrs sei einmalig. In den nächsten 25 Jahren wachse die Bevölkerung im Kanton Aargau aber um weitere 120000 Menschen. «Ich frage mich, wie wir die grossen Investitionen in den öffentlichen Verkehr verkraften können.»

Zuerst war jetzt aber Festfreude angesagt, und zahlreiche Besucher benützten die Gelegenheit, sich persönlich vom Komfort und der schlichten Eleganz der neuen Triebwagen zu überzeugen. Und das waren beileibe nicht nur eingefleischte Eisenbahnfans.