Gondi
Baustart verzögert sich bis 2011

Die Gondiswiler Ortsplanungsrevision verzögert sich. Das Amt für Gemeinden und Raumordnung weist die Vorprüfung zurück. Der Hauptgrund: Zu wenig Fliessdruck, um das neue Quartier Harzacher zu löschen.

Drucken
Teilen
Gondi

Gondi

Solothurner Zeitung

Irmgard Bayard

Eigentlich hätte die Gondiswiler Ortsplanungsrevision an der Gemeindeversammlung vom Dezember behandelt werden sollen. Das Amt für Gemeinden und Raumordnung (AGR) hat aber bei der Vorprüfung verschiedene Punkte beanstandet. Einer davon ist der fehlende Wasserdruck im Harzacher, wo die Gemeinde Wohnbauland einzonen will.

Gemäss kantonalem Wasserbaugesetz muss der Löschschutz bei Wohnhausquartieren mit Hydranten gewährleistet sein. «Im Harzacher stehen Hydranten», sagt Gemeindepräsident Andreas Nyfeler (parteilos). «Aber aufgrund der topographischen Lage, also dem Höhenunterschied zwischen Reservoir und Hydranten, werden die vom Kanton geforderten zwei bar Fliessdruck nicht erreicht.»

Der Regierungsstatthalter Martin Lerch und der Feuerwehrinspektor Peter Tabone konnten sich jedoch an einer im Juli durchgeführten Feuerwehrübung vor Ort davon überzeugen, dass der Löschschutz im neu zu überbauende Gebiet gewährleistet ist - auch ohne den geforderten Druck.

Trotz dieser Demonstration verlangt das Amt für Wasser und Abfall des Kantons Bern (AWA) von der Gemeinde Gondiswil eine generelle Wasserplanung. «Das ist aufwändig und kostet gemäss ersten Schätzung des Planers etwa 30 000 Franken», sagt Nyfeler, der für den Entscheid der kantonalen Stellen wenig verständnis hat. «Muss die Planung ausgeführt werden, können die Beträge in die Millionen gehen», befürchtet er.

Zweifelhafte Forderungen

Wie der Druck der geforderten zwei bar zustande kommen soll, kann er sich nicht vorstellen. «Unser Reservoir ist neben Auswil das höchste in der Region», sagt er. Auswil sei zu weit entfernt, obwohl mit dieser Gemeinde bereits heute ein gegenseitiges Notfallabkommen bestehe. Dieses garantiert die Wasserversorgung, sollte sie in einer der beiden Gemeinden ausfallen.

Die Forderung des AWA empfindet Nyfeler als «zweifelhaft», das AGR wolle damit das Generieren von neuem Bauland in Landgemeinden bremsen oder gar hemmen. Dem widerspricht Arthur Stierli, Leiter der Orts- und Regionalplanung im AGR. «Es gibt im Vorprüfungsbericht zur
Ortsplanungsrevision Gondiswil noch einige offene Punkte, welche geklärt werden müss-ten, unter anderem auch die Frage der ausreichenden Wasserversorgung», sagt er. Das AWA sei die zuständige Fachstelle. «Solange es Vorbehalte aufgrund der gesetzlichen Erschliessungsvorgaben gibt, sind diese zu klären und das Ergebnis dem AGR beziehungsweise dem AWA nochmals zur Beurteilung einzureichen.»

Nyfeler hofft trotzdem, dass «von Bern die Einsicht kommt, dass der Löschschutz gewährleistet ist.» Der zuständige Sachbearbeiter vom AWA war gestern für eine Stellungnahme nicht erreichbar.

Keine Zoneninseln erwünscht

Ein weiterer Grund, dass der Vorbericht beanstandet wird, liegt in der Einzonung der Kleingewerbezone im Bifang. Gemäss dem Gemeindepräsidenten wird dort, wo heute die Firma Nyfeler Holzwaren ansässig ist, bereits seit über 200 Jahren ein Gewerbe betrieben, obwohl es sich um eine Landwirtschaftszone handelt. Das eidgenössische Raumplanungsgesetz sieht aber keine «Zoneninseln» mehr vor. Das heisst: Neues Bauland muss an bereits eingezontes Land anschliessen. Das ist im Bifang nicht der Fall. Einzige Ausnahme: wenn für die vorgesehende Nutzung nur dieser eine Standort in Frage kommt.

Bauen erst Mitte 2011 möglich

Nun hat die Firma Nyfeler Holzwaren auf Verlangen des AGR eine Windmessung durchführen lassen, die beweist, dass die aussergewöhnliche Lage im Bifang die Buchen sechsmal schneller trocknen lässt, als dies in der Regel der Fall ist. Und Buchenholz braucht die Firma zur Herstellung des Holzspielzeugs. Nach verschiedenen Besprechungen mit den kantonalen Behörden geht Gemeindepräsident Nyfeler davon aus, dass das AGR hier nun seine Zustimmung für die Einzonung gibt.

Durch die Windmessungen, das Erstellen einer generellen Wasserplanung und weiteren umstrittene Punkten - «Kleinigkeiten» wie Nyfeler sagt - verzögert sich die Ortsplanungsrevision. Sie kann nicht wie geplant in der Dezember-Gemeindeversammlung behandelt werden. Der Gemeinderat versucht nun, das Geschäft im Frühling vor die Versammlung zu bringen. Wird die Revision dort abgesegnet, geht es an die Detailplanung im Harzacher.

Für das Bauland liegen gemäss Andreas Nyfeler bereits drei konkrete Anfragen vor: «Ich hoffe sehr, dass diese sich nun wegen der Verzögerung nicht anders entscheiden und auf das Bauland verzichten.»

Aktuelle Nachrichten