Daniela Deck

«So schlimm war es noch nie», sagt Aquil Glanzmann. Der frühere Bauverwalter von Bettlach beobachtet, wie der Wind seit Monaten die Wolken gegen die Voralpen drückt. «Das Wasser, das dort ausregnet, fehlt uns hier.» Am schlimmsten trifft die Trockenheit in Bettlach den Burghof. Seit dem 28. September muss die Familie Sommer mit ihrem Vieh von der Feuerwehr versorgt werden. Der Hof verfügt nach Angabe von Daniel Sommer über zwei Quellen, eine ältere oberflächliche und eine jüngere, die tiefer im Boden liegt.

«Eine ist völlig trocken, die andere liefert noch ungefähr einen Liter in der Minute. Das haben wir in den 25 Jahren hier nie erlebt», erzählt der Landwirt. Seit über einem Monat pumpt die Feuerwehr alle paar Tage in zwei Fahrten jeweils 4500 Liter ins Burghofreservoir. «Inzwischen kommen sie selbstständig, wenn das Wasser zur Neige geht. Wir sind riesig dankbar für diese Hilfe», so Daniel Sommer.

Nur kein andauernder Frost

Mit dem nahenden Winter droht neues Ungemach. Verheerend wäre anhaltender Frost, ohne dass es vorher mindestens vier bis fünf Tage stark geregnet hat. Dann würde die Abhängigkeit der Bauernfamilie von der Feuerwehr auf unbestimmte Zeit verlängert.

Sommers teilen ihr Schicksal mit der Familie Bigler in Grenchen. Dort ist die Hausquelle im Oktober versiegt. Alle drei Tage versorgt die Stützpunktfeuerwehr den Hof mit 7000 bis 8000 Litern Wasser. Drei Fahrten seien dafür jeweils nötig, erklärt Feuerwehrkommandant Rolf Witschi. «Wir sind so froh um die Feuerwehr», heisst es auch an der Allmendstrasse.

Susi Herzog, die Schwester des Inhabers Alfred Bigler, hilft regelmässig im Elternhaus. Die Tatsache, dass die Quelle versiegt ist, beunruhigt sie sehr. «Im Hitzejahr 2003 hatten wir Wasser. Wieso die Quelle jetzt trocken ist, kann ich nicht begreifen.» Die Quelle von Biglers war seit Menschengedenken eine zuverlässige Wasserspenderin, wie Stimmen ausserhalb der Familie bestätigen.

Ursachensuche

Susi Herzog fragt sich, ob das Versiegen einen Zusammenhang mit der Sanierung der Tunnelquellen vor zwei Jahren haben könnte. Per Just, Direktor der Städtischen Werke (SWG), würde das «extrem verwundern. Aber ich bin natürlich kein Geologe». Er habe noch nie von dieser Idee gehört. Im Rahmen der Sanierung seien lediglich zwei oder drei Rinnsale neu gefasst worden, die bisher in die Tunnelsohle tropften, erklärt Just. «Man darf nicht vergessen, dass diese Trockenperiode von der Dauer her jener von 2003 entspricht. Karstquellen haben sehr wenig Speicher. Sie können austrocknen.»

Hilfe, und keine Dienstleistung

Die dürregeplagten Familien müssen nur das Wasser zahlen, das ihnen die Feuerwehr bringt. Für den Transport sollen sie nicht zur Kasse gebeten werden. «Für uns ist das eine Hilfeleistung und keine Dienstleistung. Es geht da um das Wohl von Menschen und Tieren», erklärt Feuerwehrkommandant Witschi. Auch in Bettlach sieht das Feuerwehrreglement die Bezahlung nur vor, wenn das Wasser kommerziellen Zwecken dient.

Einst war in Grenchen in Dürreperioden der Stierenberg das Sorgenkind. Die Sanierung der dortigen Wasserversorgung hat das Problem behoben, wie Witschi bestätigt. In Bettlach war Wasser früher gelegentlich auf dem Bettlachberg knapp. So zum Beispiel vor sechs Jahren. Diesmal hat das Wasser bisher ausgereicht. Inzwischen sind die Höfe direkt oberhalb der Siedlungen offenbar verletzlicher als die eigentlichen Berghöfe.