Hitzewelle
Bauern rechnen mit grösseren Verlusten als im Rekord-Hitzesommer

Gemüsebauern kämpfen gegen eine übermächtige Konkurrenz. Im Gegensatz zum Hitzesommer 2003 sind die Spiesse diesmal nicht gleich lang: Das Baselbiet ist trockener als die Ostschweiz.

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Trocken

Trocken

Andreas Maurer

«Die Situation ist für mich noch problematischer als im Hitzesommer 03», klagt der Therwiler Bauer Hans-Ueli Gerber. Seine Kartoffeln benötigen dieses Jahr noch etwa 30 vegetative Tage, damit Grösse und Gewicht stimmen. Die 30 Tage werden sie nicht mehr erhalten. Gerber rechnet mit einem Einkommensverlust von einem Drittel. Der aktuelle Sommer ist für den Kartoffelbauern aus zwei Gründen schwieriger als der bereits legendäre Hitzesommer vor sieben Jahren: «Die Trockenheit war damals früher. Und dieser Sommer ist heisser.»

Die Hitzewelle kommt für ihn zu einer «sehr dummen Zeit». Die Kartoffeln befinden sich in der letzten Wachstumsphase. Durch die Hitze werden die Blätter spröde. Gerbers grösste Sorge ist das Aufkommen einer zweiten Generation an Kartoffeln: Durch die hohen Bodentemperaturen könnten die Knollen Austriebe bilden. Diese Mini-Kartoffeln zweiter Generation sind nutzlos, da sie bis zur Ernte im September klein bleiben. Sie schaden aber der ohnehin geschwächten Pflanze: Sie entziehen ihr den Saft. «Dagegen kann man nichts machen», sagt Gerber. Sein einziger Trost: «Die Situation ist für Kartoffeln gesamteuropäisch ungünstig.»

Ostschweizer drücken die Preise

Der Füllinsdörfer Gemüsebauer Andreas Eschbach baut keine Kartoffeln an. Er nennt im Gegensatz zu Gerber gerade die ungleiche Verteilung der Regengüsse als Hauptproblem: «Im Sommer 2003 war es trockener - mit dem wesentlichen Unterschied, dass es damals gesamteuropäisch trocken war.» In den letzten Tagen hingegen haben Gewitter in der Ostschweiz mehrmals für Abkühlung und Regen gesorgt. Gleichzeitig ist es im Baselbiet heiss und trocken geblieben. «Jetzt drücken die Ostschweizer die Preise», sagt Eschbach.

So muss er derzeit bei grösserem Aufwand zu günstigeren Preisen produzieren. Vor zehn bis zwanzig Jahren existierte dieses Problem nicht: «Damals war die Preisgestaltung lokal, heute ist sie national.» Vor allem Eisberg- und Kopfsalat bereiten Eschbach Probleme: «Die Kopfbildung ist schlecht.» Er bewässert mit zehn bis zwanzig Litern pro Quadratmeter. Für den Eisbergsalat ist das heikel: Es bilden sich braune Stellen. Die letzten drei Wochenpflanzungen verbucht der Füllinsdörfer Gemüsebauer daher als Totalausfall.

Die Bewässerung geht ins Geld. Für ein 20 Hektaren grosses Kartoffelfeld kostet sie während eines Sommers 20000 bis 30000 Franken. In einem normalen Jahr mit regelmässigen Gewittern kann sich der Bauer dieses Geld sparen. Und trotz des grossen Aufwands erzielen Bewässerungsanlagen nicht die Wirkung eines natürlichen Regens: Die Anlagen bewässern den Boden unregelmässiger und sorgen für weniger Abkühlung.

Gute Bedingungen für Getreideernte

Hitze und Trockenheit machen vor allem Gemüse- und Kartoffelbauern zu schaffen. Kollegen mit anderen Betriebszweigen kommen besser damit zurecht. «Für die derzeit laufende Getreideernte stehen die Bedingungen gut», berichtet Gregor Gschwind, Präsident des Bauernverbands beider Basel. Im Gegensatz zu anderen stuft er die Situation nicht als dramatisch ein: «Mit einer Trockenperiode muss man rechnen. Im Hitzesommer 2003 war sie viel länger.» Ungünstig findet er dieses Jahr vor allem den Wechsel der Extreme: «Zuerst war es lange kühl und nass. Jetzt ist es heiss und trocken. Extreme sorgen für Stress. Sie sind nicht gut für die Pflanzen.»

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