Daniela Deck

Ein Haufen Stroh und frisches Gras türmte sich gestern zwischen 14.45 und 17 Uhr neben der Tür zur UBS auf dem Marktplatz in Grenchen. Darauf stand beziehungsweise lag seelenruhig der Muni Calou mit seinem Gewicht von knapp einer Tonne.

Mit dieser Aktion will der Landwirt ein Zeichen gegen die Geschäftspraktiken der Grossbank setzen. Die UBS habe sein Geld anders angelegt, als er dies gewünscht habe, kritisierte Marti. Der hat nach eigener Darstellungder Bank mehrmals gesagt, er wolle sein Geld nicht in Aktien anlegen. Doch die UBS habe sich nicht daran.

Im Gegenteil, die Bank kaufte für Marti ein grösseres Paket von UBS-Namensaktien - und Marti machte damit einen happigen Verlust. Drei Viertel seines angelegten Geldes habe die Bank «in den Sand gesetzt». schimpft Marti. Ein Verlust, für den nun niemand geradestehen wolle. Die UBS weist Martis Vorwürfe zurück.

Polizei schickt Bauer Marti unverrichteter Dinge heim

Ursprünglich hatte Marti angekündigt, den Muni in die Schalterhalle zu bringen. Das hat er dann aber nicht gemacht. Er hat den Zuchtstier am Fenstergitter neben der Rollstuhlrampe der Filiale angebunden.

Die Passanten fotografierten den ungewöhnlichen Bankkunden, Kinder streichelten das mächtige Tier. Das Personal der Bank hingegen verzichtete darauf, den Muni von Nahem kennenzulernen. Der UBS-Sprecher sagte auf Anfrage: «Wir kommentieren das nicht.»

Es gab auch kritische Stimmen: «Bei dieser Hitze. Das gefällt dem armen Tier bestimmt nicht», schimpfte eine Passantin. Weder der Muni noch Marti liessen sich davon aus der Ruhe bringen. Der eine soff Wasser aus der Plastikkiste, der andere trank Redbull aus der Aludose.

Eine Stunde nach Beginn des Protests erschien die Polizei. Die Beamten fragten in der Bank, ob man sich durch die Aktion gestört fühle. Obwohl das offenbar nicht der Fall war, machten die Ordnungshüter dem Bauern einen Strich durch die Rechnung, der bis heute Morgen bleiben wollte. Die Polizei wies den Muni auf 17 Uhr vom Marktplatz, was Marti befolgte. Polizeisprecher Bruno Gribi erklärte: «Es liegt keine strafbare Handlung vor. Grundsätzlich darf dieser Herr mit seinem Muni spazierengehen, wo er will. Aber es war doch besser, die Aktion rasch zu beenden.»