Michael Spillmann

Archäologen, Grabungstechniker und Bauarbeiter der Kantonsarchäologie legten auf dem 25 000 Quadratmeter grossen Areal unzählige Fundstücke frei. Dort, wo dereinst der Campus der Fachhochschule Nordwestschweiz zu stehen kommt. Seit Sommer 2008 mit dabei war auch der 20-jährige Riet Grubenmann. «Archäologie hat mich schon immer interessiert», erklärt der Bauarbeiter, der einmal als Grabungstechniker arbeiten möchte.

Ihren eigentlichen Höhepunkt erlebte die Ausgrabung schliesslich kurz vor Abschluss der Arbeiten. Anfang Oktober

lief die letzte Arbeitswoche auf dem Areal an. Riet Grubenmann war damit beschäftigt, eine Grube auszuheben. «Wir waren gerade an der letzten Schicht, als ich mit dem Pickel auf harten Untergrund stiess», erinnert er sich. Als er bemerkte, dass unter der Erde eine Steinplatte liegt, begann er auf der Seite die Erde abzutragen. Schliesslich zog er den massiven Steinblock mit dem Pickel aus dem Untergrund und drehte ihn um. «Ich konnte zuerst nichts erkennen», so Grubenmann. Kein Wunder: Der etwa 10 Kilogramm schwere und 40 Zentimeter hohe Steinblock lag seit rund 2000 Jahren im Boden.

«Fund ist wie ein Schlussbouquet»

Der 20-jährige Engadiner trug den Fund kurzerhand zu einem Kollegen, der den verdreckten Steinblock mit einem Schlauch abspritzte. Und dann war die Überraschung gross: «Es war einfach super, so etwas habe ich noch nie gesehen. Ich bin sehr stolz», freut sich der Finder des verzierten Reliefs über den besonderen Moment.

Die Aufregung auf dem Gelände war gross. Ausgrabungsleiter Hannes Flück: «Ein sehr schöner, gut erhaltener Fund. Er ist wie ein Schlussbouquet.» Die Skulptur wurde von der Grube ins nahe gelegene Labor der Kantonsarchäologie gebracht und dort genau untersucht. Gestern präsentierte Hannes Flück den seltenen Fund den Medien. Wie der Archäologe erklärte, habe das Relief mit dem annähernd lebensgrossen Kopf einer römischen Göttin vermutlich als Schmuck auf dem First eines Grabbaus gedient. So seien Gräber aus der ersten Hälfte des ersten Jahrhunderts nach Christus - zu denen die Skulptur gehören könne - bereits seit dem 19. Jahrhundert bekannt. Diese Grabbauten standen meist entlang der aus der Siedlung herausführenden Strasse nach Augst/Kaiseraugst (Augusta Raurica).

Auf den Namen «Julia» getauft

Die alte Römerstrasse ist mit der Hauptstrasse in der Brugger Altstadt und der ehemaligen Alten Zürcherstrasse identisch. Bei der Freilegung der Fortsetzung dieser Strasse auf einer Länge von 100 Metern im Rahmen der Ausgrabungen konnten die Archäologen insgesamt elf römische Gräber freilegen. Der entdeckten Götterstatue, die im Vindonissa-Museum einen gebührenden Platz erhalten wird, gaben die Archäologen intern den Namen «Julia». Doch um welche Göttin handelt es sich tatsächlich? «Das wollen Experten nun herausfinden», sagt Archäologe Hannes Flück.