Birs

Bau an Fischtreppe tötete Fische

Trocken gelegt: Die Pegelschwankung der Birs legte bei Zwingen etliche Kiesbänke trocken – tausende junge Fische starben. zvg/Fischereifachstelle BL

Birs

Trocken gelegt: Die Pegelschwankung der Birs legte bei Zwingen etliche Kiesbänke trocken – tausende junge Fische starben. zvg/Fischereifachstelle BL

Ein plötzlich sinkender Wasserpegel, die sengende Sonne und ein heftiges Gewitter haben der Birs grossen Schaden zugefügt. Die Ursache liegt im Kanton Jura.

Walter Brunner

Am Dienstagnachmittag hat sich der Pegel der Birs auf einer langen Strecke um bis zu 25 Zentimeter gesenkt. Eine grosse Zahl von Fischen und Kleinlebewesen ging zugrunde. Der Auslöser des Problems liegt im Kanton Jura. Bei Bauabeiten am Stauwehr eines Kleinwasserkraftwerks sei «eine Folge von unglücklichen Entscheidungen» gefällt worden, sagt Daniel Urfer vom Wasser- und Naturschutzbüro des Kantons Jura. Man arbeite dort an einem Fischpass und renoviere die ganze Anlage. Derzeit würden noch Befragungen mit den Kraftwerkbetreibern laufen. Weitere Details stellt Urfer für heute Nachmittag in Aussicht.

Enorm viel Wasser gestaut

Laut Urfer ist der Wasserdurchfluss am Montag und Dienstag-nachmittag jeweils um einen Kubikmeter pro Sekunde zurückgegangen und 20 bis 25 Zentimeter abgesunken. Das sei enorm viel. Im Kanton Jura habe es keine Meldungen über tote Fische gegeben. Man bedaure die negativen Auswirkungen im Baselbiet sehr. «Das wird Konsequenzen haben», sagt Urfer.

Bei Zwingen wirkte sich das etwa zwei Stunden dauernde Absinken des Pegels schlimm aus. Urs Campana, Präsident des Kantonalen Fischeiverbandes Baselland erklärt: «Im Sommer ist der Wasserstand ohnehin niedrig. Wenn er dann noch so stark absinkt, ist das extrem schädlich für das ganze Ökosystem der Birs.» Die freigelegte Fläche werde so stark erhitzt, dass alles absterbe - auch jene Tiere, die sich unter Steinen und im Sand verstecken würden.

Ein Schwall warmes Dreckwasser

Es kam noch schlimmer: Kaum hatte sich der Pegelstand normalisiert, brachte ein Gewitter eine grosse Menge warmes und schmutziges Wasser in die Birs. «Die Temperatur stieg nur ein halbes Grad, aber dies und die Trübung hatten schon grosse Auswirkungen auf den Sauerstoffgehalt.» Wenn Bauarbeiten an einem Kleinwasserkraftwerk die starke Pegelschwankung verursacht hätten, wäre das zynisch, sagt Urs Campana: «Der Strom aus Kleinwasserkraftwerken wird als Ökostrom verkauft, aber schon beim Bau beeinträchtigen sie die Gewässer in höchstem Mass.»

Die Pegelschwankung hat schätzungsweise «ein paar tausend Kleinfische» getötet, sagt Daniel Zopfi von der Baselbieter Volkswirtschafts- und Gesundheitsdirektion. Hauptsächlich so genannte Begleitfische wie Elritzen, Groppen und Schmerlen seien gestorben. Die Pegelschwankung am Dienstag sei viel stärker gewesen als üblich. Wenn das nur einmal vorkomme, erhole sich der Bestand unter günstigen Bedingungen wieder. «Würde es aber laufend so starke Schwankungen geben, wäre der Fischbestand nicht mehr fortpflanzungsfähig.»

Ständige leichte Schwankungen des Birspegels seien normal, sagt Marin Huser, Leiter der Baselbieter Fachstelle Oberflächengewässer. Eine Absenkung wie am Dienstag sei aber sehr selten. Er erklärt die Birs und die verschiedenen Kraftwerke als ein kompliziertes System: «Die Kraftwerke beeinflussen sich gegenseitig.» Im günstigen Fall werde eine Schwankung von den flussabwärts liegenden Kraftwerken ausgeglichen. «Aber am Dienstagnachmittag haben sie möglicherweise eine Schwankung verstärkt.»

Verwandtes Thema:

Meistgesehen

Artboard 1