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«Basler» Wäscherei in Kurdistan

Seit Jahren unterstützt der im Jahre 2000 in Basel gegründete Verein «Städtepartnerschaft Basel-Van» Projekte in Van im kurdischen Osten der Türkei.

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bz Basellandschaftliche Zeitung

Anne-Lise Hilty*

Mit Hilfe des Kantons Basel-Stadt und der Gemeinde Binningen konnte in Kurdistan eine Wäscherei aufgebaut werden. Der Verein unterstützt zudem eine Teppichweberei. Beide Projekte kommen der Bevölkerung zugute, meistens Binnenflüchtlingen, die grosser Armut sowie der Repression des Staates ausgesetzt sind.

Herzlicher Empfang

Dutzende lachender Frauen empfangen die Delegation aus der Schweiz vor den Gebäuden der Wäscherei in Van-Bostanici. Neugierig eilen die Kinder herbei und wollen die Gäste begutachten, die von der Bürgermeisterin Nezahat Ergünes begleitet werden. Die Frauen zeigen den Gästen, wo sie ihre Wäsche waschen, bügeln, nähen, Kurse abhalten und wo die Kinder derweil betreut werden. Neben den Waschmaschinen sind die modernen Nähmaschinen der grosse Renner. Stolz präsentieren die Frauen wunderschöne Kleider sowie Tischtücher und Bettwäsche mit kunstvollen Blumenstickereien. So lernen die Frauen neue Fertigkeiten und können ausserdem Geld sparen. Das neue Projekt überzeugt ebenso wie die Teppichweberei in Van, welche der Verein seit Jahren unterstützt. Auch dort werden die jungen Frauen nicht nur in das Kunsthandwerk des Teppichwebens eingeführt, sondern erhalten zudem Schulunterricht und Beratung in Lebensfragen.

Als die Delegation im Frühling 2006 die Gemeinde bei Van besuchte, breitete die damalige Bürgermeisterin von Van-Bostanici, Gülcihan Simsek, die Pläne auf der nackten Erde aus, da wo nun die Wäscherei steht. Die Bürgermeisterin betonte damals auch den sozialen Aspekt des Projekts.

Die Frauen bestätigen heute, wie wichtig ihnen der Rückhalt in der Gemeinschaft ist. Viele von ihnen sind aus den vom türkischen Militär zerstörten Dörfern geflohen und finden sich nun getrennt von andern Frauen oft in notdürftig zusammengezimmerten Behausungen wieder, in denen meistens Licht, Wasseranschluss und Kanalisation fehlen.

Initiantin im Gefängnis

So sehr sich die Delegation über die Realisierung des Projektes freut, das dank der Beiträge des Kantons Basel-Stadt (75 000 Franken) sowie der Gemeinde Binningen (8000) und der Sammlung des Vereins zustande gekommen war, so schockiert musste sie zur Kenntnis nehmen, dass die Initiantin Gülcihan Simsek seit April dieses Jahres im Gefängnis sitzt. Nach den Wahlen hatte die Regierung zahlreiche Mitglieder der siegreichen kurdischen demokratischen Partei DTP, der auch Simsek angehört, verhaften lassen. Bis heute liegt weder eine Anklage vor, noch konnten die Anwälte die Dossiers einsehen. Ein Verbot der Partei ist zu befürchten. Ohne sie ist eine Lösung des Konflikts zwischen dem türkischen Staat und seiner kurdischen Bevölkerung jedoch undenkbar.

Am Samstag, 17. Oktober 2009, um 13 Uhr, wird die Delegation im K5, Gundeldingerstr. 161, in Basel über ihre Reise berichten. Ausserdem werden kurdische Spezialitäten serviert.
*War Teilnehmerin der Basler Delegation

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