Gericht
Basler Polizisten wegen Kinderpornografie vor Gericht

Die Vorwürfe gegen zwei Ordnungshüter sind massiv: Amtsmissbrauch, Gewalt- und Kinderpornos, Urkundenfälschung.

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Polizei Basel-Stadt

Polizei Basel-Stadt

bz Basellandschaftliche Zeitung

Loris Vernarelli

Furchteinflössend sehen die beiden Basler Polizisten nicht aus. Eher klein der Hauptangeklagte Albert Siegrist (Namen geändert), schlaksig sein ehemaliger Untergebener Oliver Mahler (Alle Namen geändert). Auch geben sie auf die Fragen von Gerichtspräsident Jeremy Stephenson ruhig und demütig Antwort, kaum einmal ergreifen sie unaufgefordert das Wort. Eine Haltung, die aufgrund der Schilderungen in der Anklageschrift vor allem im Fall von Siegrist überrascht. Die Vorwürfe der Staatsanwaltschaft Basel-Stadt zeichnen ihn nämlich als rechthaberische Person, die keine Widerrede duldet und bedingungslosen Gehorsam fordert. Er sehe sich absolut nicht so, wies der ältere der beiden Angeklagten am gestrigen Eröffnungstag des Prozesses die Beschreibung seines Charakters weit von sich. «Ich bin nicht autoritär. Ich liess durchaus mit mir reden und bestand nicht unbedingt auf meiner Meinung. Doch wenn eine rasche Entscheidung gefordert war, lag die Verantwortung als Chef des Alarmpiketts (AP) eben bei mir», rechtfertigte sich der Hauptangeklagte. Anders sah dies Mahler, der in einer Doppelrolle als Zeuge und Angeklagter vor Gericht erschien. Insbesondere den Fahrstil seiner Untergebenen habe Siegrist oft und hart kritisiert. Er selber sei dann immer angespannt auf Patrouillenfahrt gegangen, und habe deshalb auch einmal «ein Rotlicht übersehen».

Ein grosser Teil des ersten Verhandlungstags war dem Verhältnis zwischen Albert Siegrist und Eveline Wicki gewidmet. Sie ist diejenige Polizistin, die durch eine schriftliche Beschwerde wegen sexueller Belästigung den «Fall Siegrist» überhaupt ins Rollen gebracht hat. Der AP-Chef erklärte, dass sie am Anfang gut miteinander ausgekommen seien. «Ich konnte mit ihr über alles reden - auch über Themen wie Sex». Sie sprach gerne darüber und benützte im Gegensatz zu den meisten Frauen auch offen derbe Worte. Wicki sei diesbezüglich «ein halber Mann», sagte Siegrist zusammenfassend.

Dieses gute Verhältnis habe dazu geführt, dass sie sich näher gekommen seien. So nahe, dass es während einer Nachtwache zu «Zungenküssen und Streicheleien» gekommen sei, wie Siegrist berichtete. Von Stephenson auf die mögliche Beziehung der Kollegen angesprochen, antwortete Mahler, er sei überrascht: «Eine solche Zuneigung gegenüber ihrem Vorgesetzten hätte ich eher ausgeschlossen.» Uneinig waren sich die beiden ehemaligen Kollegen auch bei der angeblichen Berührung des Gesässes von Eveline Wicki durch Siegrist. Dieser behauptete, er habe die Polizistin nicht absichtlich angefasst, da sie plötzlich vor ihm stehen geblieben sei. Mahler seinerseits gab an, Siegrist habe sie willentlich begrapscht.

Die gestern erschienenen Zeugen konnten Siegrist weder ent- noch zusätzlich belasten. Sein Chef zur Zeit der Vorfälle in den Jahren 2004 und 2005 beispielsweise sprach von einem «sehr engagierten Polizisten mit hoher Fachkompetenz». Andere räumten ein, dass sie von der Liste mit den illegal kopierten CDs und DVDs wussten, die sowohl Siegrist als auch Mahler zum Verkauf anboten. Dass der Hauptangeklagte eine Privatperson auf Patrouille mitgenommen hat, war offensichtlich ebenfalls kein Geheimnis.

Die Urteilseröffnung ist für den kommenden Donnerstag vorgesehen.