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Basler Geothermieprojekt: Erdbeben in Kauf genommen?

Die Basler Staatsanwaltschaft ist sich sicher: Der Projektentwickler der Geopower AG hat die fünf Erdbeben vorsätzlich in Kauf genommen. Dies muss sie nächste Woche vor Gericht beweisen.

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bz Basellandschaftliche Zeitung

Loris Vernarelli

«Künstliches Erdbeben ausgelöst», «Tiefbohrung löst Erdbeben aus», «Forscher lösten Erdbeben aus»: Genau heute vor drei Jahren überbot sich die Schweizer Tagespresse mit markigen Titeln zum Erdstoss, der die Bevölkerung in Basel und Umgebung wenige Stunden zuvor aufgeschreckt hatte. Und der Schuldige war schnell gefunden: die Geothermie-Bohrung in Kleinhüningen. Das Experiment, das zuvor weltweit für Schlagzeilen gesorgt hatte, wurde zuerst auf Eis gelegt, dann endgültig abgebrochen. Somit endete der Traum Basels abrupt, als erste Stadt überhaupt dank einer Anlage zur kommerziellen Gewinnung der Erdwärme in die Geschichte einzugehen.

Gleichzeitig begann für Markus Häring aber ein Alptraum. Er geriet als Projektentwickler der Bauherrin Geopower Basel AG ins Visier der Staatsanwaltschaft. Ab kommendem Dienstag muss sich der 57-jährige Baselbieter nun vor dem Basler Strafgericht wegen Sachbeschädigung und Verursachen einer Überschwemmung oder eines Einsturzes verantworten - als Einziger, obwohl das Geothermie-Projekt auf politischer und wirtschaftlicher Ebene abgesegnet worden war. Bei einem Schuldspruch riskiert Häring eine mehrjährige Freiheitsstrafe.

Vorsätzliche Gefährdung

Die vom Ersten Staatsanwalt Thomas Hug in der Anklageschrift verfassten Vorwürfe sind happig. Häring habe vorsätzlich eine unterirdische Überschwemmung beziehungsweise den unterirdischen Absturz von Erd- und Felskrusten verursacht und dadurch wissentlich fremdes Eigentum in Gefahr gebracht. Der Gegenstand des Vorsatzes belegt Hug mit zum Teil vertraulichen Dokumenten, die in den Jahren vor dem Start des Kleinhüninger «Deep Heat Mining»-Projekts zustande gekommen sind.

Sowohl Peter Huggenberger vom Geologisch-Paläontologisches Institut der Universität Basel als auch Experten des Schweizerischen Erdbebendienstes warnten mehrmals vor der Möglichkeit, dass durch das Einpressen von Wasser in die Tiefbohrung auch Erdbeben entstehen könnten, die spürbar sind. Diese Eventualität spielte Markus Häring herunter, obwohl in einem von ihm mitverfassten Bericht (Juli 2006) explizit auf das Risiko von getriggerten Erdstössen - eine Art Beben, die mittlere bis hohe Stärken erreicht - hingewiesen wird. «Für getriggerte Beben gibt es keine Möglichkeit, Aussagen über die Wahrscheinlichkeit des Auftretens, die Frequenz oder die Magnitude zu machen», heisst es in besagtem Bericht.

Schäden an Gebäuden

All diese Beweise genügten offensichtlich, um den Geologen sowie Geschäftsführer der Geothermal Explorers als einzigen Verantwortlichen für die künstlichen Beben zur Rechenschaft zu ziehen. Häring habe wissentlich fremdes Eigentum in Gefahr gebracht, heisst es in der Anklageschrift. Mehr noch: Die knapp drei Millionen Franken Schadenersatz, welche die Geopower bisher vergütet hat, zeigen auf, dass Gebäude tatsächlich beschädigt worden sind. Für Hug bedeutet dieses Vorgehen eine Schuldbekenntnis und ein weiterer Umstand zulasten des Angeklagten.