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Basler Anspruch auf Bundesratssitz stärken

Die Basler SP-Bundesratskandidatin und Regierungsrätin Eva Herzog.

Eva Herzogs Chancen als Aussenseiterin Inland

Die Basler SP-Bundesratskandidatin und Regierungsrätin Eva Herzog.

Kandidaten Eva Herzog und Peter Malama bei ihrem – vermutlich – einzigen gemeinsamen öffentlichen Auftritt

Ein charmanter und irgendwie treffender Versprecher leitete das Hearing der «Basler Zeitung» mit Eva Herzog (SP) und Peter Malama (FDP) ein: «Frau Herzog, was hat sich für Sie verändert, seit Sie Bundesrätin geworden sind?» Nun, schon als Bundesratskandidatin spürt Basels Finanzdirektorin im Alltag einige Nuancen: «Ich freue mich über Daumen-hoch-Gesten von wildfremden Menschen auf der Strasse», sagte Herzog gestern Abend im «BaZ»-Forum. Auch Malama hat in den letzten Tagen Zurufe gehört wie: «Wir wählen Dich dann.» Was ja nicht möglich sei, wie er sich zur Erklärung veranlasst sah.

Grösste Hürde ist eigene Fraktion

Womit wir bei der entscheidenderen Frage wären: Wie kommen die beiden Basler Anwärter auf einen Sitz in der Landesregierung in ihren Fraktionen an? Diese bestimmen nämlich bis am Samstag ihre Tickets für die Wahlen vom 22. September. Böse Zungen behaupten: Malama und Herzog habe man zum ersten, einzigen und letzten Mal gemeinsam als Kandidaten auftreten sehen. Malama gestand offen: «Die grösste Hürde ist für mich die Nomination in der Fraktion». Er spüre «teilweise» Unterstützung in seiner Partei, so Malama, der mit seinem urban-liberalen Profil in der nationalen FDP Aussenseiter ist.

Ein Problem in ihrer Partei hat auch SP-Kandidatin Herzog. Sie habe sich in Bern mit zehn bis zwanzig Genossinnen und Genossen zu einer Kennenlernrunde getroffen. «Ich starte von einem anderen Ort als die anderen drei SP-Frauen, die in Bern bereits auf Fanclubs zählen können», sagte Herzog. Sie setzt voll auf die Karte Exekutiverfahrung: «Ich finde, das macht einen grossen Unterschied», betonte Herzog.

«Basel mit einem Berner abgedeckt»

Vor allem Malama führte ins Feld, mit der Kandidatur den Anspruch der Region auf einen Sitz in der Landesregierung zu stärken. In der nationalen Presse werde Basel dank der beiden Kandidaturen öfter erwähnt, hat der FDP-Nationalrat beobachtet. Wenn es jetzt nicht klappe, dann eben in vier oder acht Jahren. Diesen Anspruch zu stärken scheint indes mit viel Arbeit verbunden zu sein: «Von Freisinnigen höre ich, dass Basel abgedeckt sei, wenn ein Berner Bundesrat wird», sagte Malama.

Die beiden wurden von drei «BaZ»-Redaktoren zudem auf ihre Positionen abgeklopft. Dies förderte neben viel Altbekanntem auch Überraschendes zutage: So zeigt Herzog Verständnis dafür, dass im Kampf gegen die steigenden Krankenkassenprämien Managed-Care-Modelle gefördert und die freie Arztwahl eingeschränkt werden sollen. Damit gehört die Sozialdemokratin in ihrer Partei klar zur Minderheit.

Etwas überraschend wirkte auch das knappe Ja Malamas zur Ausschaffungsinitiative der SVP. Während beide bei Fragen zur Annäherung an die EU, der Finanz- oder der Umweltpolitik klar und sattelfest Auskunft gaben, äusserten sie sich bei der Frage nach höheren Strafen für Gewaltverbrecher ausweichend. Herzog sammelte mit Ehrlichkeit Punkte: «Ich fühle mich nicht zu einer einfachen Antwort befähigt.» (haj)

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