Baselbieter Wald
Baselland ist auf dem Holzweg

Für jährlich knapp zwei Millionen Franken wird der Baselbieter Wald aufgewertet. Vor Ort hat die landrätliche Umweltkommission nun kontrolliert, wohin das ganze Geld eigentlich fliesst.

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Waldaufwertung

Waldaufwertung

Schweiz am Sonntag

Es regnet. Aber Baselbieter Landräte sind keine Schönwetter-Politiker. Die Umweltschutz- und Energiekommission (UEK) ist an diesem Montagmorgen auf Kontrollgang. Mitte März hatte das Parlament zur Fortsetzung des Programms «Naturschutz im Wald» bis 2013 einen Kredit von 9,5 Millionen Franken bewilligt.

Dabei aber hatte die vorberatende Kommission bemängelt, dass die Verwaltung aus Kostengründen auf eine Erfolgskontrolle verzichten wollte. Flugs wurde für das Jahr 2013 eine Wirkungskontrolle angeordnet. Doch damit nicht genug: Nun hat sich die UEK gleich selber auf die Socken gemacht, um vor Ort einen Augenschein zu nehmen. «Wir wollten uns vor Ort ansehen, wohin eigentlich das ganze Geld für den Waldschutz fliesst», begründet UEK-Präsident Philipp Schoch.

Gestartet worden ist das Programm «Naturschutz im Wald» im Jahr 1998. Grund: die abnehmende Artenvielfalt. «Diese wollen wir erhalten und wieder fördern», erklärt Exkursionsführer Ueli Meier vom Amt für Wald beider Basel. Geschaffen werden sollen Flächen für eine ungestörte Entwicklung des Waldes. Dazu werden lichte Nieder- und Mittelwälder sowie Altholzbestände als wichtiger Lebensraum gefördert.

Da gibt es einiges zu tun, denn im Baselbiet ist über ein Drittel der Kantonsfläche mit Wald bedeckt. Davon gelten 27 Prozent als schutzwürdig; 17 Prozent sollen als Reservat gesichert werden. Bis 2008 sind 11,5 Prozent des Waldes oder 2500 Hektaren unter Schutz gestellt worden. 7,68 Kilometer Waldrand wurden renaturiert, 69 Hektaren Altholzflächen gesichert und 1 Quadratkilometer Reservatsfläche gepflegt.

Es regnet stärker. Der erste Augenschein findet im Gebiet Fieleten ob Bubendorf statt. Für den Laien stehen die Kommissionsmitglieder auf einer normalen Wiese an einem normalen Waldrand. Doch weit gefehlt. Es handelt sich hier um eine naturschützerisch wertvolle Magerwiese von nationaler Bedeutung.

Und auch der Waldrand wird seit 2001 mit grossem Aufwand gepflegt. Er wird künstlich ausgedünnt, um Lebensraum für Artenvielfalt zu schaffen. Und tatsächlich: Mitten auf der Wiese wäre ein Reh zu beobachten gewesen. Sobald aber die Politiker durchs Unterholz donnern, macht es sich aus dem Staub.

Es nieselt. Die Landratskommission lässt sich mit einem Kleinbus des kantonalen Krisenstabs an den nächsten Standort chauffieren: ein Mittelwald bei der Station Lampenberg. Rund um Eichen und Buchen ist das Unterholz ausgelichtet worden. So dringt Sonnenlicht bis zum Waldboden.

«Dies lässt eine unheimliche Dynamik und Artenvielfalt entstehen», schwärmt Paul Imbeck vom Amt für Raumplanung. Überall geht Jungwuchs auf. Und auch lichtliebende Tiere profitieren. «Mit dem Mittelwald wird eine alte Betriebsform aus dem Mittelalter reaktiviert», erklärt Ueli Meier.

Noch aber befinde man sich erst in einer Testphase. Von 22 000 Hektaren Wald im Baselbiet, seien erst 70 Hektaren Mittelwald. «Wir bewegen uns hier also im Promillebereich.» Ermöglicht worden sind solche Projekte mit dem Holzheizkraftwerk Basel. Meier: «Anders wären sie kaum möglich, weil das Holz nicht absetzbar wäre.»

Es regnet wieder stärker. Besichtigungsobjekt: eine naturnahe Altholz-Insel beim Schützenhaus Ramlinsburg. In dieses Waldgebiet wird während mindestens 50 Jahren nicht mehr eingegriffen. «Je älter die Bäume sind, desto mehr Tierarten können sie nutzen», sagt Imbeck.

«Bei alten Eichen können das bis zu 1000 Arten sein.» Der Nutzungsverzicht wird den Waldbesitzern abgegolten. Für den Kanton ist klar: Das Geld ist gut investiert. Der Baselbieter Wald ist auf gutem Weg. Die UEK ist zufrieden, macht sich auf den Heimweg. Es hat aufgehört zu regnen. (db)

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