Baselbiet krempeln Notfallwesen um
Baselbiet krempeln Notfallwesen um

Der hausärztliche Notfalldienst wird wegen Überalterung auf immer weniger Schultern verteilt. In Baselland soll er deshalb in den Spitälern Bruderholz und Liestal zentralisiert werden. Scheitern könnte dies an den Kosten.

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Badener Modell fürs Baselbiet

Badener Modell fürs Baselbiet

bz Basellandschaftliche Zeitung

Michael Nittnaus

«Wir planen eine völlige Änderung des Baselbieter Notfallwesens.» Dies sagt der Hausarzt Urs Buess. Der für die Organisation des kantonalen Notfalldienstes zuständige Füllinsdorfer weiss, dass man mittelfristig sonst in einen unüberwindbaren Engpass läuft. Heute gibt es im Baselbiet zehn Notfallkreise (siehe Karte unten). Die ansässigen Hausärzte sind dazu verpflichtet, turnusweise Nacht- und Wochenendschichten innerhalb ihres Kreises zu übernehmen. Das Problem: Umso weniger Ärzte es in einem Gebiet hat, desto mehr Schichten müssen sie auf sich nehmen. Erschwerend kommt hinzu, dass der Dienst nur bis zu einem bestimmten Alter geleistet werden muss. «Die Überalterung ist eines der grössten Probleme unseres Berufsstandes», weiss denn auch Lukas Wagner. Der Präsident der Baselbieter Ärztegesellschaft (AeGBL) blickt voraus: «In den nächsten fünf bis zehn Jahren wird es kritisch.»

Modell der Zukunft

Verschiedene Lösungsansätze zur Entlastung der Hausärzte werden nun diskutiert: Als Sofortmassnahme bietet sich beispielsweise die Zusammenlegung von benachbarten Notfallkreisen an – so geschehen letzten Oktober im Fall Laufental/Thierstein, wo die Situation besonders prekär ist (siehe Kasten rechts). Eine bedeutend nachhaltigere Wirkung erhoffen sich Wagner und Buess allerdings vom «Badener Modell». Als erster Ort der Schweiz zentralisierte Baden 2007 den hausärztlichen Notfalldienst in einer im Kantonsspital eingerichteten Notfallpraxis. «Dieses System hat Zukunft», ist Buess überzeugt.

Mit dieser Meinung steht er nicht alleine da: Mittlerweile übernahmen schweizweit viele Orte das Modell, darunter seit einem Jahr Solothurn und neu seit dem 1. Dezember 2009 auch das Universitätsspital Basel. «Das System entspricht dem zunehmenden Bedürfnis der Patienten, sich bei Notfällen aller Art direkt in das nächste Spital zu begeben, anstatt den Hausarzt aufzusuchen», erklärt Buess den Erfolg. Die Notfallmedizin habe sich in den letzten Jahren eindeutig ins Spital verlagert. Hat man nun einen Hausarzt vor Ort, entlaste dies auch die Notfallstation, die sonst von Bagatellen überflutet werde.

Bruderholz, Liestal Ja, Laufen Nein

Konkret laufen im Baselbiet nun Gespräche zwischen der Ärztegesellschaft und den Spitaldirektoren André Hug (Bruderholz) sowie Heinz Schneider (Liestal). Erste Konzepte werden gerade erarbeitet. Im Bruderholz wurde sogar bereits ein Provisorium eingerichtet. Das Kantonsspital Laufen hätte dagegen bevölkerungsmässig ein zu kleines Einzugsgebiet.

«Realistisch ist eine Umsetzung im zweiten Halbjahr», schätzt Wagner. Die AeGBL würde die Notfallpraxen zwar lieber heute als morgen in Betrieb nehmen, doch noch gebe es Stolpersteine zu beseitigen: «Letzten Endes liegt es an der Finanzierung. Hier ist noch kein Durchbruch in Sicht.» Enttäuscht zeigen sich Wagner und Buess über Gesundheitsdirektor Peter Zwick. Dieser habe zwar euphorisch auf das Projekt reagiert, stellte aber gleichzeitig klar, dass sich der Kanton nicht an den Kosten beteiligen werde. Getragen werden muss die Umsetzung also von den Spitälern und Ärzten. Peter Zwick war für eine Stellungnahme nicht erreichbar.