Langenthal
Bären kommen nicht, dafür bald Tiger?

Aus einem Aprilscherz könnte ernst werden. Wollte diese Zeitung im Frühling noch Bären im Hirschpark ansiedeln, sind daraus Löwen und Tiger geworden. Der bekannte Raubtierpark von René Strickler könnte Langenthals neue Attraktion werden.

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Tiger

Tiger

Hanspeter Bärtschi

Walter Ryser

Es war ein köstlicher Aprilscherz, den diese Zeitung im Frühjahr zusammen mit der Burgergemeinde Langenthal inszenierte. Bis zur Fertigstellung des Bärenparks in Bern sollten die Bären im Langenthaler Hirschpark platziert werden. Was viele Leute eine witzige Idee fanden, bekommt plötzlich ein ernsthaftes Nachspiel.

Vor einem Monat wurde bekannt, dass in Subingen der Mietvertrag mit René Stricklers Raubtierpark von der Landbesitzerin, der Espace Real Estate, gekündigt wurde. Ein Telefonanruf aus der Redaktion dieser Zeitung zum Präsidenten der Burgergemeinde Langenthal genügte, um Teil zwei des «Aprilscherzes» in Gang zu setzen. «Darüber könnte man diskutieren», sagte Marc Howald spontan auf die Frage, ob er sich vorstellen könnte, Stricklers Raubtierpark in Langenthal anzusiedeln.

Eine Chance für die Stadt

Howald konnte sich im Verlaufe des Gespräches sogar je länger, desto mehr für diese Idee begeistern. «Viele Gemeinden setzen spontane Zeichen, wenn es darum geht, dass man die Standortattraktivität erhöhen oder dem Ort ein Markenzeichen verpassen könnte», sieht der 48-jährige Burgerpräsident in einem Langenthaler Raubtierpark eine Chance für die Stadt. Diese, das sagt Howald aber unmissverständlich, müsste bei der Realisierung eines solchen Vorhabens Hand bieten.

Vize-Stadtpräsidentin Laura Baumgartner (SP) zeigt sich auf Anfrage vorerst recht zurückhaltend. Sie habe den Raubtierpark in Subingen einmal besucht, und ihr hätten die Tiere in den engen Gehegen leid getan, zeigte sie sich wenig angetan von den Verhältnissen in Stricklers Anlage. «Aber die Idee wäre sicher zu prüfen», fügte sie hinzu. Entscheidend ist für Baumgartner, «dass etwas Gutes entstehen würde. Wenn genügend Land vorhanden wäre und darauf etwas ‹Gfreuts› entstehen könnte, warum nicht», sagte sie. Die Stadt allerdings, fügte sie hinzu, verfüge praktisch über kein Land mehr.

Park an der Zürich-Bernstrasse?

An diesem Punkt kommt wieder Marc Howald ins Spiel. Die Burgergemeinde verfügt über Landreserven. Und der Präsident sagt auch gleich, wo er sich einen solchen Park vorstellen könnte. An der Zürich-Bernstrasse, gegenüber der Auto Studer AG oder dem Firmengelände der Bucher AG (Motorex), beides Landstücke im Besitze der Burgergemeinde. «Hier müsste vor allem die baurechtliche Situation vonseiten der Gemeinde geklärt werden», bemerkt Howald zu diesen Vorschlägen.

Aber was sagt eigentlich René Strickler selbst dazu? «Ja, das könnte ich mir ganz gut vorstellen. Ich bin schon ein paar Mal in Langenthal vorbei gefahren und habe mir gedacht, hier hat es einige schöne Flecken Land», zeigt er sich gegenüber dieser Idee aufgeschlossen und weist zudem noch auf den optimalen, zentralen Standort im Mittelland hin. Langenthal ist allerdings nur einer von mehreren möglichen neuen Standorten. In Grenchen beispielsweise ist es das persönliche Ziel von SVP-Gemeinderat Heinz Müller, den Raubtierpark in die Stadt zu holen. «Es gibt einige, darunter sogar sehr attraktive Bewerber», bestätigt Strickler das Interesse an seinen 30 Raub- und rund 70 weiteren Tieren. Er weist darauf hin, dass in der heutigen Zeit, in der das Freizeitverhalten der Menschen immer einen grösseren Stellenwert einnehme, ein Raubtierpark ein äusserst attraktives Angebot für eine Stadt oder Region darstelle. «Der Raubtierpark ist eine touristische Attraktion und als Ausflugsziel für Familien bekannt.»

Erste Gespräche nach den Ferien

Noch steht der Raubtierpark aber in Subingen und nicht in Langenthal. «Nur wenn man miteinander redet, kommt man weiter», sagt Strickler dazu und weist darauf hin, dass er noch mit keinem Interessenten ein ernsthaftes Gespräch geführt hat. Für diese Zeitung eine Aufforderung, alle Parteien an einen Tisch zu bringen. «Nach den Ferien stehe ich dafür zur Verfügung», signalisiert Raubtierbändiger Strickler Interesse. Das Sitzungszimmer in der Redaktion steht bereit, Stadt und Burgergemeinde werden informiert.