Heiner Halder

Kaum zu glauben, aber Tatsache: Viele Betagte fallen auf die professionell vorgehenden Betrüger herein. Dies Jahr wurden schweizweit 110 Anzeigen von Geschädigten eingereicht, die Deliktsumme beläuft sich auf sieben Millionen oder 64 000 Franken pro Opfer. Sieben Geldkuriere wurden verhaftet - nur «kleine Fische».

Die Dunkelziffer dürfte hoch sein, sagt Peter Bossert von der Fachstelle Sicherheit von Raiffeisen Schweiz. Das Interesse von Bankkunden zum Thema «Sicherheit im Umgang mit Finanzgeschäften» ist gross. Der Einladung der Raiffeisenbank Villmergen folgten in Hägglingen 50, im Dintiker «Bären»-Säli 60 Personen, naturgemäss ältere Semester.

Der Trick mit dem Enkel

Der Anrufer gibt sich als Enkel, Neffe oder guter Bekannter aus, täuscht eine finanzielle Notlage vor und bittet subito um die kurzfristige Bargeldausleihe zu einem hohen Betrag. Nachdem das gutgläubige Opfer das Geld auf der Bank abgehoben hat, wird es wieder telefonisch kontaktiert und eine Drittperson zur Entgegennahme der Summe eingeschaltet. Den «Enkel» kriegt das Opfer nie zu Gesicht, das Geld auch nicht mehr. Mittels geschickter Gesprächsführung («Hallo Oma, weisst du, wer hier ist?») wird Vertrauen geweckt und im Laufe des Telefonats der psychische Druck laufend erhöht.

Die Täter sind kriminelle, gut organisierte und technisch hochgerüstete Banden aus Polen, sagt Peter Bossert, die Opfer vorwiegend Frauen zwischen 60 und 90. Sie werden, das Callcenter machts möglich, systematisch nach «altmodischen Vornamen» ausgesucht und automatisch kontaktiert. Die Gauner an der Front sind nett und sprechen Deutsch.

Gesundes Misstrauen hilft

«Seien Sie misstrauisch, wenn sich Ihnen nicht bekannte Personen am Telefon als Bekannte ausgeben, läuten Sie zur Kontrolle zurück», rät der Sicherheitsfachmann, «verschweigen Sie Details zu familiären und finanziellen Verhältnissen.» Sich nicht unter Zeitdruck setzen lassen und niemals fremden Personen Geld übergeben, lauten die Regeln. Rücksprache mit Familienangehörigen und Vertrauenspersonen hilft überstürztes Fehlverhalten vermeiden.

Zu Letzteren gehören auch die Finanzberater der Hausbank. Der Dintiker Raiffeisen-Filialleiter Werner Keusch bestätigt die Prophylaxepraxis am Bankschalter. «Wenn ältere Personen viel Geld in bar abheben und es pressiert, fragen wir schon mal diskret, worum es geht, beraten die Kunden und mahnen zur Vorsicht.»

Lug und Trug allenthalben

An der Orientierungsversammlung wurden auch weitere Betrügereien thematisiert. Zunehmend treten auch in unserer Region Trickdiebe auf, welche beim Geldwechseln («Münz für die Parkuhr») rasch ins fremde Portemonnaie greifen und die Banknoten behändigen. Gegenmittel: Nie grosse Geldbeträge mittragen.

Anlagebetrug ist nach wie vor aktuell: «Je höher das Gewinnversprechen, desto grösser das Risiko; es gibt keinen sicheren Gewinn», mahnt Sicherheitsfachmann Hans Göldi. Das gilt auch für die Lotterie. Vorsicht ist geboten, wenn eine Vorauszahlung zum Mitmachen verlangt wird. Ohne Zeitdruck entscheiden, sich schriftliche Unterlagen beschaffen, das Kleingedruckte lesen, Fachleute beiziehen, im Zweifelsfall nicht in den Dialog mit dem Anbieter einsteigen hilft vor fatalen Verlusten. Und immer daran denken: Bei all diesen Geschäften gibt es schon einen Gewinner, aber das ist garantiert der andere.