Bandendiebstahl: «Die Kinder sind Täter und gleichzeitig Opfer»

Im Herbst und Winter haben Dämmerungseinbrecher Hochsaison. Manche der Täter sind noch minderjährig. Sie stammen aus Fahrenden-Camps im Elsass . Wie gehen diese Einbrecherbanden vor? Markus Melzl, Kriminalkommissar der Staatsanwaltschaft Basel-Stadt, gibt Auskunft.

Dania Genini

Woher kommen die Einbrecherbanden?
Markus Melzl: Die Familien leben in Wohnwägen in nahe liegenden Camps im Grossraum Colmar. Teilweise können die Spuren auch bis nach Strassburg verfolgt werden. Als Täter in die Schweiz geschickt werden die Kinder der Familien.

Wie gehen die Banden vor?
Melzl: Die Eltern transportieren die Kinder jeweils in die Nähe des Tatortes, wo sie dann den Einbruch durchführen und das Diebesgut an einem vorher abgemachten Ort verstecken. Die Eltern holen sich dann das Diebesgut und kehren zurück ins Camp. Die Kinder werden meist am Tatort zurückgelassen. Oft werden die jungen Täterinnen und Täter von der Polizei aufgegriffen und in Durchgangsstationen gebracht, wo sie aber nach kurzer Zeit meist schon wieder ausreissen.

Warum werden die Kinder geschickt?
Melzl: Nach Jugendstrafrecht dürfen die Kinder nicht festgehalten werden, das ist der Grund, weshalb die Eltern ihre Kinder schicken. Die Kinder sind zugleich Täter und Opfer, sie werden missbraucht und können sich gegen den Familienclan nicht wehren, da sie abhängig von ihm sind. Die Kinder haben gar keine Chance aus diesem Teufelskreis herauszukommen.

Was kann man gegen diese Banden tun?
Melzl: Die Täter müssen konsequent überwacht werden. Wenn immer möglich müssen die Erwachsenen festgenommen werden, wenn sie dabei erwischt werden, wie sie das Diebesgut abholen. Auch Prävention spielt eine grosse Rolle. Wir informieren die Bevölkerung in Mitteilungen und an Veranstaltungen und rufen zu mehr Aufmerksamkeit auf. Ausserdem arbeiten wir sehr gut mit der französischen Polizei zusammen und versuchen gemeinsam, den Banden entgegenzuwirken. Viel mehr kann man nicht tun.

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