Benjamin Weinmann

In der Berner Gemeinde Moosseedorf soll inmitten der Migros Shoppyland, der Möbelfiliale Interio und des Baugeschäfts OBI auf 20000Quadratmetern und vier Etagen Geschäfte rund um die Themen Hochzeit, Adoption und künstlicheBefruchtung einziehen.

Hinter dem Projekt «Lilia» steht weder ein Grosskonzern noch ein bekannterPrivatfinancier, sondern vorläufig nur das Ehepaar Agostinho und Monika Fernandes. Sie haben bis vor zwei Jahren die Babywelt AG geführt. Mit 4 Filialen und 50 Mitarbeitern war die Babywelt laut eigenen Angaben eines der grössten Babyfachgeschäfte in der Schweiz.

Vor kurzem hat das Ehepaar Fernandes zahlreichen Firmen und Spitälern eine Broschüre mit Details zum geplanten Center geschickt. Dem «Sonntag» liegt die Broschüre vor. Darin werden mögliche Angebote zum Thema künstliche Befruchtung aufgelistet: Samenspende, Samen- und Eizellenaufbewahrung, Schwangerschaftscoaching, Baby- und Kinderbedarf sowie Fachärzte. Medizinische Eingriffe sollen aber in einem Spital stattfinden.

Mit «Lilia» möchte das Ehepaar Fernandes eine steigende Nachfragebefriedigen. Denn in der Schweiz nehmen immer mehr Menschen für die Fortpflanzung medizinische Hilfe in Anspruch: 2008 setzten 6000 Paare auf die künstliche Befruchtung - 9 Prozent mehr als im Vorjahr.

«Wir möchten den Kinderwunsch von vielen Paaren fördern, weil dieser zum Teil zu früh aufgegeben wird», sagt Agostinho Fernandes. «Eine Adoption oder eine künstliche Befruchtung ist heute ein zu komplizierter, bürokratischer Prozess. Das wollen wir ändern.»

Auch Beratungsstellen und Vermittlungsagenturen für die Adoption von Schweizer und ausländischen Kindern sind im Lilia-Center willkommen. In der Broschüre heisst es weiter: «In eleganten und diskreten Lounges empfangen Spezialisten ihre Kunden für Informationsgespräche und Abklärungen.»

«In den Bereichen Adoption und künstliche Befruchtung suchen wir die Zusammenarbeit mit Berner Spitälern und den umliegenden Gemeinden», sagt Fernandes.

Gleichzeitig soll aber auch das Shopping nicht zu kurz kommen. Für das Hochzeitsangebot sucht das Ehepaar zum Beispiel nach Juwelieren, Coiffeuren, Hochzeitsmode-Geschäften, Reisebüros und Rechtsberatern. Die Initianten erhoffen sich durch den Angebotsmix Synergien: Offenbar soll sich der Kunde nach dem Kauf des Verlobungsrings gleich auch noch über eine künstliche Befruchtung informieren können.

Wie das Mammutprojekt finanziert werden soll, verraten Fernandes nicht. Deshalb - und aufgrund des ungewöhnlichen Konzepts - klingt das Projekt noch etwas unglaubwürdig. Doch das Ehepaar meint es offenbar ernst: Das entsprechende Grundstück gehört ihnen bereits, wie das Berner Grundbuchamt auf Anfrage bestätigt. «Die Eröffnung des Lilia-Zentrums ist für 2013geplant» sagt Agostinho Fernandes. Im Ausland gibt es ähnliche Konzepte. Zum Beispiel im spanischen Murcia. Dortbietet eine Klinik in einem Shoppingcenter In-vitro-Befruchtungen an. In der Schweiz gibt es 25 Befruchtungszentren, allerdings steht keines davon ineinem Einkaufshaus.