Bald ein Jugendhaus im Spital?

Spital Niederbipp - Der 24-Stunden-Rettungsdienst bleibt, der Rest des Areals wird vermietet oder verkauft. Dank der Zustimmung des Kantons Solothurn bleibt in Niederbipp ein 24-Stunden-Rettungsdienst erhalten. Im Spitalareal könnten sich künftig aber auch Jugendliche oder Künstler tummeln.

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Bald ein Jugendhaus im Spital?

Bald ein Jugendhaus im Spital?

Solothurner Zeitung

Irmgard Bayard

Nachdem im vergangenen Jahr bekannt wurde, dass die SRO AG das Spital in Niederbipp schliessen will, regte sich an vielen Fronten Widerstand. Es wurde eine Facebook-Gruppe «Nein zu Verkauf und Schliessung des Spitals Niederbipp» gegründet. Die Widerstandsbewegung erhielt zudem Unterstützung aus dem benachbarten Thal, und derzeit läuft eine SVP-Petition «24-Stunden-Notfalldienst in Langenthal, Niederbipp und Huttwil», die auch von Manfred Cordari (FDP), Gemeindepräsident von Niederbipp, unterzeichnet ist.

Gestern nun haben die SRO AG und die Gemeinde Niederbipp eine gemeinsame Medienmitteilung herausgegeben, in der über das weitere Vorgehen informiert wurde. Laut dieser ist ein 24-Stunden-Rettungsdienst in Niederbipp unbestritten. Für das Spitalareal hingegen werden verschiedene Nutzungen geprüft. Dieter Widmer, Verwaltungsratspräsident der SRO AG, spricht einerseits von einem Zentrum für Gesundheit, Rehabilitation, Beschäftigung und betreutes Wohnen. Andererseits wurden externe Experten beauftragt, nach geeigneten Nutzungen und nach Investoren zu suchen. Das können Schulen, Internate, Hotels, Büros oder Gewerbe sein.

Medizinfremde Nutzung

«Natürlich schauen wir darauf, dass die künftigen Mieter mit dem Gesundheitszentrum harmonieren», betont Widmer. Er sagt aber auch, dass das Gelände allenfalls verkauft wird und die SRO AG Teile davon mietet. Auch Cordari kann sich vorstellen, dass die Gemeinde Teile der Spitalgebäude kaufen und dann selber nutzen wird, «etwa für einen Jugendraum», wie er sagt.

«Froh über den Entscheid»

In erster Linie ist der Gemeindepräsident aber froh, dass der 24-Stunden-Betrieb der Ambulanz gesichert ist. Dies sei nur möglich, sagt Widmer, weil der Kanton Solothurn darauf verzichte, in Oensingen eine eigene Ambulanz aufzubauen und auch künftig diejenige von Niederbipp in Anspruch nehmen wolle. «Mit diesem regionalen Rettungsdienst betreuen wir rund 40000 Einwohner», so Widmer. Damit ist auch der Anspruch von SRO-Direktor Hans Peter Kuert gesichert: Er will die Patienten der Region Niederbipp so gut versorgen, «dass sie das Vertrauen zum Spital Langenthal bewahren und Langenthal auch ausserhalb von Notlagen als ihr Basisspital wählen». Das wäre sicher anders, wenn der Rettungsdienst in Oensingen stationiert wäre. «Dann nämlich würden die Ambulanzfahrzeuge die Patienten in die Spitäler nach Olten oder Solothurn überführen», ist sich Cordari sicher.

Dieses Restangebot in Niederbipp sowie der vom Kanton gewährte 75-Millionen-Kredit für die Instandstellung des Zentrumsspitals Langenthal seien wichtig, hält Dieter Widmer in der Medienmitteilung fest. «Denn damit verfügt die SRO AG als erstes regionales Spitalzentrum im Kanton Bern über eine gute Grundlage, um die spitalmedizinische Versorgung im Oberaargau zu sichern.»

Hausärzte kontaktieren

Für das geplante Gesundheitszentrum in Niederbipp könne man auf die Erfahrungen in Huttwil zurückgreifen, sagt Widmer. «Als Nächstes werden wir nun mit den Hausärzten in Niederbipp das Gespräch suchen und weitere Dienstleister im Gesundheitswesen kontaktieren. Wir wissen ja nun, welche Zweige des medizinischen und therapeutischen Sektors gefragt sind.» Zudem würden Gespräche mit Interessenten an Raum für Bildung sowie Kunst und Kultur geführt, denn «der idyllische Park soll belebt bleiben und auch vielfältige Erwerbsmöglichkeiten, Wohnraum und Platz für Kunst und Kultur bieten».

Huttwil hoffte vergebens

Weiterhin keine Hoffnung auf einen 24-Stunden-Betrieb darf sich Huttwil machen. Trotz grossen Bemühungen, vor allem von SP-Gemeinderat Adrian Wüthrich, heisst es in der Medienmitteilung einmal mehr: «Wegen der tiefen Frequenzen in der Nacht, und weil der Kanton nicht mehr Mittel zur Verfügung stellt, lässt sich in Huttwil der Ambulanzdienst nur tagsüber rechtfertigen.» Wüthrich bedauert diesen offenbar definitiven Bescheid sehr, von dem er
bisher noch gar keine Kenntnis
hatte.

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