Bahnhof

Bahnhof Wildegg soll wieder aussehen wie früher

Vom Bahnhof Wildegg sieht man gegenwärtig nicht viel. Doch hinter der Abdeckung wird fleissig gearbeitet: Der Zeitzeuge schweizerischer Eisenbahngeschichte soll wieder sein früheres Aussehen erlangen.

Hanny Dorer

Seit 2001 ist Toni Häfliger Leiter der Fachstelle Denkmalschutz bei den SBB. Diese Stelle wurde auf Verlangen des Bundesamtes für Kultur und der eidgenössischen Kommission für Denkmalpflege gegründet.

«Natur- und Heimatschutz sind seit 1961 gesamtschweizerisch auf Bundesstufe geregelt. Seither hat die Sensibilisierung bezüglich Denkmalschutz bei Unternehmen und Bevölkerung stark zugenommen», blickt Häfliger bei der Besichtigung der Bauarbeiten zurück. «Heute würde zum Beispiel der Abbruch des Bahnhofs Aarau sicher länger diskutiert», ist er überzeugt.

Die Arbeit des Denkmalpflegers ist nicht einfach, denn er muss nicht nur die schützenswerten Bauten erhalten, sondern auch die Bedürfnisse der heutigen Zeit berücksichtigen. «Es ist nicht mehr die Bahn von 1854, sondern eine moderne Hochleistungsbahn», so Häfliger. In diesem Spannungsfeld bewegt sich die Denkmalpflege.

Begleiten und beraten

Die Aufgabe von Toni Häfliger besteht vor allem darin, die Projektleiter bei den Sanierungen zu begleiten, die Kadermitarbeiter zu beraten und die Koordination mit dem Bund und den Kantonen sicherzustellen. Zum Teil kommt ihm auch die Rolle eines Vermittlers zu, denn die SBB haben teilweise einen anderen Fokus als die kantonale oder kommunale Denkmalpflege. «Da gilt es, das Projekt und den historischen Bestand gegeneinander abzuwägen.»

Was wird geschützt

Schützenswert kann alles sein: Bahnhöfe, Brücken, Tunnelportale, ganze Strecken (zum Beispiel die Gotthardstrecke), ausgediente Stellwerke, aber auch schöne Brunnen. «Auch ein Güterschopf kann ein Kulturgut sein», betont Denkmalpfleger Häfliger. Wichtig sei es, die verschiedenen Entwicklungsetappen der Bahn sichtbar zu machen. Als einstiges regionales Eisenbahnzentrum im Aargau verdient es der Bahnhof Wildegg zweifellos, in sein ursprüngliches Erscheinungsbild zurückgeführt zu werden. «Die diesbezügliche Zusammenarbeit mit der Aargauer Denkmalpflege ist ausgezeichnet», stellt Toni Häfliger fest.

Nur Aussensanierung

Vorläufig wird der 1858 gebaute Bahnhof Wildegg nur aussen saniert. Ob zu einem späteren Zeitpunkt auch das Innere einer Sanierung unterzogen wird, steht noch nicht fest. Im Moment ist nichts vorgesehen, auch das Restaurant bleibt unverändert. Dafür erhält es im Aussenbereich eine Gartenwirtschaft auf einem Holzpodest, das mit Pflanzen geschmückt wird und sich gut ins Gesamtbild einfügen soll.

Um dem Bahnhof wieder sein früheres Aussehen zu geben, sind diverse Arbeiten nötig. So werden die gemauerten Terrassenbrüstungen auf den Seitenflügeln entfernt und durch ein Metallgeländer ersetzt, dies anstelle des bestehenden Backsteinkonstrukts. Die Eckaufbauten werden wieder hergestellt, ebenso das Fries um das Gebäude. Dieses bestand früher aus Putz, wird nun aber neu in Sandstein hergestellt. Der übrige Putz wird geflickt und neu gestrichen. Wo es möglich ist, soll der Originalzustand hergestellt werden. «Wir wollen aber nicht auf alt machen, wo man nicht sicher ist, wie es wirklich war, weshalb oft interpretiert werden muss», schränkt Häfliger ein.

Die jetzigen Metalltüren werden durch Eichentüren ersetzt. Als Vorbild dienen Fotos und Pläne aus früheren Jahren. Gleisseitig werden neue Fenster mit Sprossen eingesetzt, dem ursprünglichen Erscheinungsbild entsprechend, Die Fensterrahmen sind aus Holz und bemalt, aber mit Isolierverglasung. Entfernt werden die beidseitigen Betonvordächer aus den Dreissigerjahren.

Einweihung im Mai

Die Arbeiten sollten Ende April beendet sein, schätzt Bauleiter René Schlauri vom Architekturbüro Xaver Meyer AG. Die Gesamtsanierung wird rund 900000 Franken kosten. Für Schlauri ist der Bahnhof ein willkommenes Objekt. «Eine solche Sanierung ist interessanter als eine neue Fabrikhalle bauen», stellt er fest. Das Resultat wird man im Mai sehen können, wenn der restaurierte Bahnhof Wildegg eingeweiht wird.

Meistgesehen

Artboard 1