Sonnenblick

Badener Ärztin Esther Pfyl: «Ich verliere das Mutterhaus»

Die Badener Ärztin Esther Pfyl war dem «Sonnenblick» lange verbunden. Für sie war die Nachricht über das jähe Ende der Privatklinik in Wettingen ein Schock.

Elisabeth Feller

Der Dienstag war ein normaler Tag. Esther Pfyl (Fachärztin für Gynäkologie und Geburtshilfe) und ihr Mann Tony Pfyl (Facharzt für Chirurgie) operierten wie schon viele Male zuvor auch an diesem Tag. Doch dann wurden sie abends damit konfrontiert: Die Klinik Sonnenblick schliesst. Obgleich das ganze Team um die Probleme der Privatklinik wusste, war die Nachricht vom jähen Aus ein Schock. Esther Pfyl ist erschüttert, denn: «Die Klinik ist für uns jahrelang ein Ort gewesen, an dem wir sehr häufig waren.» Die Ärztin hat die Geburten zwar nicht gezählt, die sie im «Sonnenblick» betreut hat, doch es dürften innert 20 Jahren rund 1000 gewesen sein. Kein Wunder, ist die Bindung an die Klinik gross, Esther Pfyl spricht denn auch vom «Verlust des Mutterhauses».

Das abrupte Ende sei, obgleich voraussehbar, auf jeden Fall schmerzlich. Am Tag danach läuft der Praxisalltag auf Hochtouren, aber «irgendwie», sagt Pfyl, «kreisen die Gedanken ständig um den ‹Sonnenblick›.» Und dies umso mehr, als die letzten Patientinnen und Patienten Ende dieser Woche nach Hause entlassen werden – dann ist die Klinik sowohl für sie als auch für das Ehepaar Pfyl Vergangenheit.

Was bedeutet das Aus für Frauen, die ihr Kind in Kürze zur Welt bringen und im «Sonnenblick» angemeldet sind? Sie werden «umgebucht«, «aber es geht nicht nur um einen anderen Ort. Sondern auch darum, dass ich eine Patientin vielleicht nicht mehr begleiten kann.» Nachdenklichkeit und leise Trauer schwingen in diesen Worten mit, selbst wenn Esther Pfyl weiss: Es geht weiter – etwa im Spital Leuggern (und in einzelnen Fällen auch im Kantonsspital Aarau), wo sie und ihr Mann sich ein weiteres Standbein geschaffen haben. Ob es zu einem Mutterhaus wird?

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