Sterk
Baden kriegt doch ein Brillenkino

Kein Wunder erzählen Alexandra und Peter Sterk gern vom Kinojahr 2009: Die Besucherzahl stieg um 4 Prozent. Und dann die Überraschung: Obwohl 3-D für die Sterks bislang kein Thema war, wird nun umgerüstet.

Drucken
Teilen
Baden kriegt doch ein Brillenkino

Baden kriegt doch ein Brillenkino

Corinne Rufli

«Solche Entscheidungen fällen wir am Familientisch», sagt Alexandra Sterk, die neue Geschäftsführerin der Sterk Cine AG. «Im Sommer rüsten wir bereits auf 3-D um.» Damit überraschen die Sterks wohl einige, denn erst noch wehrten sie sich vehement gegen die Einführung der neuen Technologie in ihren Kinos. «Wir wollten nicht sofort auf diesen Zug aufspringen», sagt Peter Sterk, Verwaltungsratspräsident des Familienunternehmens. Sie wollten warten, bis die 3-D-Technik so weit sei, dass man keine Brille mehr brauche. «Das könnte aber noch Jahre dauern», sagt er.

Modernste 3-D-Projektoren

Den Vorwurf, warum die sonst so innovative Sterk-Familie nicht auf die 3-D-Technologie setze, wollten sie dann wohl nicht auf sich sitzen lassen. Im Trafokino Baden und im Movi Elite Wettingen wird für je eine Viertelmillion Franken in die modernsten Projektoren investiert. «Wir sind ein Dienstleistungsbetrieb, egal ob wir das 3-D-Kino gut finden oder nicht», sagt Peter Sterk nüchtern. Beim Kassenschlager «Avatar» hätten sie schon gemerkt, dass die Leute in andere Städte pilgerten, um den Film mit der neuen Technologie zu sehen.

Wie haben die Sterks die Wirtschaftskrise gespürt? «Viele verzichten sicher auf gewisse Vergnügen, aber einen Kinoeintritt kann man sich noch leisten», erklärt Peter Sterk. «Die Leute wollen raus. Man kann schon zu Hause auf dem Sofa zu zweit eine Komödie schauen, das ist aber nicht dasselbe, wie wenn man mit 400 Leuten im Kino lachen kann.»

Schweizer Film blüht in Baden

Die Besucherzahlen der Sterk-Kinos in Baden und Wettingen sind im Jahr 2009 um 4% auf 345000 gestiegen. Unschlagbar liegt der Animationsfilm «Ice Age 3» auf Platz 1. Über 18000 Leute wollten den schrägen Sid und das Mammut Manni sehen. Dahinter liegen «Australia» und «Slumdog Millionaire».

Die Unterstützung der Sterks für den Schweizer Film machte sich auch letztes Jahr bezahlt: Unter den Top-10-Filmen der Sterk Cine sind «Giulias Verschwinden» und «Die Standesbeamtin». Die Uraufführung der «Standesbeamtin» fand in Baden statt. «Nur in einer Stadt, nämlich Zürich, lief der Film besser als hier. Das ist ein kleines Filmwunder», sagt Sterk senior.

Penélope Cruz im Kino Sterk

Enttäuscht ist Peter Sterk aber, dass nicht der Regisseur Christoph Schaub den Schweizer Filmpreis für «Giulias Verschwinden» gewonnen hat. «Ich hatte deswegen eine schlaflose Nacht, nicht wegen der Oscar-Verleihung», sagt er. Manchmal versuche man die Erfolgreichen zurückzubinden, das sei auch bei den Oscars passiert, wo «Hurt Locker» vor «Avatar» gewann. «Ich hätte auch auf ‹Avatar› getippt», sagt Alexandra Sterk. Aufgeblieben sei aber auch sie nicht für die Oscar-Verleihung.

Dass sich die Sterk-Familie nicht vor Investitionen scheut, zeigte sie auch mit dem Umbau des Kinos Sterk vor einem Jahr in ein Studiokino mit zwei Sälen. «Wir sind zufrieden mit den Besucherzahlen», sagt Alexandra Sterk. Am besten lief Woody Allens «Vicky Cristina Barcelona» mit Penélope Cruz. Das Kino mit der guten Akustik, der steilen Bestuhlung und dem grosszügigen Foyer komme gut an.

«Ich ziehe mich zurück»

Peter Sterk ist sichtlich stolz auf das Kino beim Bahnhof und hat viel Herzblut hineingesteckt. «Ich bin in diesem Haus aufgewachsen und zwei meiner Kinder wohnen jetzt dort. Es ist ein Stück Heimat.»

Auch wenn beim Gespräch im Büro der Sterks meistens der Vater das Wort hat, sagt der abgetretene Geschäftsführer mit Überzeugung: «In gewissen Unternehmungen hat der Patron Mühe mit dem Abgeben. Für mich ist die Aufteilung klar. Ich ziehe mich zurück, stehe meinen Kindern aber mit Rat zur Seite. Ich rede ihnen nicht drein. Das ist nicht schwierig, denn meine Kinder machen das gut.»

Aktuelle Nachrichten