Andrea Marthaler

Theo Hungerbühler ärgert sich: «Seit einem Monat kommt die Post später. Die Briefpost erhalte ich erst um zehn vor zwölf und Pakete um zehn nach zwölf.» Bis vor kurzem habe alles wunderbar geklappt. Briefe und Pakete wurden von demselben Pöstler im Verlauf des Morgens verteilt. Dass etwas geändert hat, bemerkte Hungerbühler zuerst in der Dorfbeiz: «In der Wirtschaft gab es morgens plötzlich keine Zeitungen mehr. Diese wurden vom Pöstler nicht mehr rechtzeitig geliefert.» Mittlerweile haben die Wirte das Problem gelöst. Sie haben ihre Abonnements gekündigt und kaufen die Zeitungen neuerdings am Kiosk.

Post will Zustellung optimieren

Die Änderungen in Auw sind die Folge der Zentralisierung bei der Post. In der ganzen Schweiz will die Post die Zustellung optimieren, indem die Briefe an zentralen Standorten sortiert werden. Für die Gemeinde Auw bedeutet dies, dass deren Post seit September in Sins sortiert wird. «Das ist effizienter. Die Postboten können im Team zusammenarbeiten», erklärt Mariano Masserini, Mediensprecher der Schweizerischen Post. Personal werde dadurch nicht gespart. Hingegen könnten Liegenschaftskosten sowie Kosten für die Reinigung eingespart werden.

«Es kann sein, dass durch die Optimierung vereinzelt die Zustellzeiten angepasst werden müssen», betont Masserini. Dass Briefe bis zu einem bestimmten Zeitpunkt ankommen, dafür gäbe es keine Garantie. Allerdings versuche die Post, Sendungen bis spätestens 13 Uhr zuzustellen.

Pakete erst am Folgetag abholbereit

Für Privatpersonen mag das neue Regime kein Problem darstellen. Theo Hungerbühler ist jedoch darauf angewiesen, dass die Post rechtzeitig bei ihm ankommt. Er besitzt ein Geschäft, das Anlagen in der Sicherheitstechnik herstellt und wartet. Regelmässig erwartet er Pakete mit Einzelteilen und Ersatzstücken. Kommen diese zu spät, verzögert sich seine Arbeit.

Über Mittag, wenn die Pakete seit letztem Monat geliefert werden, ist Hungerbühler meist nicht in seinem Geschäft. Dann erhält er einen Abholschein. Dies wäre nicht weiter schlimm. Früher konnte er die Pakete am gleichen Nachmittag auf der Post abholen. Seit der Umstrukturierung sind die Sendungen aber erst am Nachmittag des Folgetages zur Abholung bereit. Einen ganzen Tag bleiben die Pakete bei der Post liegen - wertvolle Zeit für Geschäftskunden. Hungerbühler vermutet, dass diese Zeitverzögerung entsteht, weil die Paketpöstler von Sins kommen und längere Touren fahren. «Früher lieferte dieselbe Person Briefe und Pakete aus. Da bekam ich alles rechtzeitig.» Er hat für sich bereits Konsequenzen gezogen und lässt die Pakete mit privaten Kurierdiensten schicken oder holt sie nach Möglichkeiten gleich selber ab.

Die Aufteilung von Paket- und Briefpost ist nicht unüblich. «Seit der Optimierung haben wir mehr Flexibilität. Grosse Pakete werden jetzt separat zugeteilt», sagt Masserini. Kleine Pakete würden nach wie vor vom Briefträger mitgenommen. Auch die verzögerte Abholung ist nichts Neues. «In Städten ist dies schon seit langem so.» Künftig werden Pakete in der ganzen Schweiz erst am Folgetag bereitstehen. Dies sei eine Logistikfrage und mit der Zentralisierung nötig geworden.

Soll Poststelle geschlossen werden?

Hungerbühler befürchtet, dass die Optimierungen den Poststandort Auw schwächen sollen: «Der Service public wird heruntergefahren, bis er nicht mehr rentiert und sie die Poststelle schliessen können.» Masserini dementiert dies: «Die Optimierung wird überall in der Schweiz unternommen und hat nichts mit der Poststelle zu tun.» Der Standort Auw werde derzeit nicht überprüft.

Dies kann Hungerbühler nicht glauben: «Die getroffenen Massnahmen sind ein operativer und ökologischer Blödsinn. Die Lastwagen fahren morgens mit der Post an Auw vorbei nach Sins, wo die Pöstler die Sendungen holen müssen. Die nötige Infrastruktur existiert auch in Auw.»