Langenthal
Autos waschen und Holzschnitzel karren

In Langenthal waren während drei Tagen fleissige Heinzelmännchen am Werk. Im Rahmen eines Lagers über Auffahrt leisteten Jugendlichen diverse Arbeitseinsätze. Organisiert wurden diese von der Arbeitsgemeinschaft für christliche Jugendarbeit.

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Lager Langenthal

Lager Langenthal

Berner Rundschau

Karin Iseli-Trösch

«So etwas habe ich ja noch nie erlebt!» Der 21-jährige Diego Merk aus Niederönz steht zusammen mit seinem Kollegen Philipp Wifler etwas irritiert bei den Autowaschanlagen nahe der Migros Do-It-Filiale in Langenthal. Soeben wurde er von einem Burschen gefragt, ob er sein Auto gratis waschen lassen wolle. «Das ist doch eine super Sache! Sonst bekommt man ja nie etwas umsonst», sagt Merk. Angst um sein Auto hat er nicht. Die jungen Frauen und Männer, die mit Waschdüsen, Tüchern und Fensterschabern bewaffnet auf ihren nächsten Einsatz warten, wüssten bestimmt, wie man ein Auto sauber kriege.

«Einfach nur genial!»

Dass die fleissigen Autoputzer einer christlichen Jugendgruppe angehören, ist für Diego Merk und seinen Kollegen kein Problem. «Das stört mich gar nicht. Schliesslich kommt diese Aktion mir und anderen Leuten zu gute.»

Die 17-jährige Livia Schindler putzt in der Zwischenzeit die Fensterscheiben von Merks Auto. Für sie ist der freiwillige Einsatz mehr als nur ein netter Zeitvertreib während den Tagen rund um Auffahrt. «Ich mache das aus Liebe zu meinen Mitmenschen. Es ist doch schön, wenn man mit seiner Arbeit den Leuten eine Freude machen kann.»

Livia ist eine von weit über 30 Jugendlichen, die während drei Tagen für gute Taten in Langenthal unterwegs sind. Organisiert und durchgeführt wird der Anlass vom Verein ACJ, der Arbeitsgemeinschaft für offene, christliche Jugendarbeit in Langenthal.

Grosszügige Unterstützung

Um die Autos auch wirklich sauber zu kriegen, hat der ACJ zwei Kabinen der Autowaschanlage gemietet. «2Zuerst haben die Verantwortlichen der Anlage schon etwas gestutzt als wir unser Vorhaben erklärten. Dann aber waren sie begeistert und unterstützen uns nun grosszügig, indem wir nicht den vollen Betrag pro Waschgang bezahlen müssen», erklärt der Autowaschverantwortliche.
Nur dank dem Entgegenkommen des Waschanlagebetreibers sei es möglich, die Autos gratis reinigen zu können. Doch die Jugendlichen, die am Arbeitseinsatz des ACJ mitmachen, können weit mehr, als den Spoiler von Sportwagen auf Hochglanz zu polieren. Velos reinigen, bei Umzügen helfen, Hausputze erledigen, den Garten von Unkraut befreien oder einen alten Teppich aus einer Wohnung entfernen: Während den drei Arbeitstagen steht so einiges auf dem Programm.

Etwa zehn Jugendlichen sind an diesem Nachmittag auf der Finnenbahn im Stadion Hard unterwegs. Nicht um sich läuferisch fit zu trimmen, sondern um die Laufbahn auf Vordermann zu bringen. Da gilt es Unkraut auszureissen und neue Holzschnitzel zu verteilen. Vor allem das Herankarren und Verteilen der Schnitzel treibt den Heinzelmännchen Schweiss auf die Stirne.

Blasen für die neue Finnenbahn

«Einige, die schon heute morgen hier gearbeitet haben, klagten beim Mittagessen über Blasen an den Fingern», erzählt Eva Kohli schmunzelnd. Sie ist eine der Hauptverantwortlichen des Lagers. Die Arbeiten auf der Finnenbahn hat der Langenthaler Werkhof dem ACJ übertragen. Einer der Werkhof-Mitarbeiter begutachtet das Werk der Jugendlichen und ist zufrieden. Sogar etwas weniger präzise Arbeit würde seiner Ansicht nach reichen.

Was ist das Ziel dieser Arbeitseinsätze? «Im christlichen Glauben geht es viel um Nächstenliebe. Diese möchten wir nicht nur untereinander leben oder nur davon reden, sondern sie auch gegen aussen tragen», sagt Eva Kohli. Dass man Nächstenliebe nicht nur mit Arbeit zeigen kann, ist auch für die ACJ-Leute klar. Deshalb standen während des Lagers auch soziale Aktivitäten auf dem Programm: Zwei Kindernachmittage im Hardquartier, Besuche im Asylantenheim und Bocca-Spielen mit den Randständigen von Langenthal sind einige Beispiele für diese Einsätze.