Kaufdorf

Autofriedhof im Gürbetal gehört zum alten Eisen

Aufbruch im Abbruch: Roger Linder räumt den Autofriedhof Messerli in Kaufdorf auf. Und verpackt Oldtimers für den Abtransport. joh

Roger Linder

Aufbruch im Abbruch: Roger Linder räumt den Autofriedhof Messerli in Kaufdorf auf. Und verpackt Oldtimers für den Abtransport. joh

Franz Messerlis versteigerte Auto-Wracks werden dieser Tage abtransportiert. Auf dem Autofriedhof Kaufdorf herrscht jetzt erst recht Abbruchstimmung. Roger Linder hat 30 Jahre hier gearbeitet. Doch das Wetter erschwert ihm die letzten Arbeiten.

Johannes Reichen

Es gibt derzeit nicht viel zu tun auf dem umstrittenen Autofriedhof im Gürbetal. «Es hat zuviel Wasser», sagt Roger Linder. Schlamm und Eis haben ihm in den letzten Tagen die Arbeit erschwert. Linder ist Angestellter der Autoverwertung Messerli in Kaufdorf. Jetzt müsste er eigentlich die versteigerten Autos rausholen, doch das geht nicht. Es müsse jetzt erst einmal eine längere Zeit trocken bleiben. Viel Zeit wird Roger Linder nicht mehr haben. Im nächsten Juni wird endgültig Schluss sein.

Es sieht nach Aufbruch und Abbruch aus auf dem Autofriedhof. Nicht mehr so friedlich und märchenhauf wie meistens in den letzten Jahrzehnten. Ein paar Stellen sind schon geräumt, abholbereite Autos stehen am Wegrand. «Jetzt ist es ein Arbeitsplatz», sagt Linder, wie jeder andere auch. «Die Mystik ist weg.» 30 Jahre hat er hier gearbeitet.

«Die Mystik ist weg»

Bis Ende Mai des nächsten Jahres muss der Platz nun aber definitiv leer sein. Für Linder ist es eine Aufgabe, die er nicht gerne übernimmt, aber noch weniger gerne hätte er es gesehen, wenn sie ein anderer für ihn täte. Einigermassen behutsam muss die Arbeit getan werden, viele der Autos werden bald zur Zierde in Gärten gebraucht oder als Ersatzteillager für Bastler. Reif für die Schrottpresse sind sie also noch lange nicht. «Sonst könnte ich die Arbeit nicht tun», sagt Linder. «Es täte zu weh.»

50 Jahre lang habe es hier immer gleich ausgesehenr. Nach der verordneten Schliessung wurden im vergangenen September viele der Autowracks an einer Versteigerung verkauft, an Schweizer, Italiener, Franzosen, Deutsche, Österreicher. 255 sind bis jetzt abgesetzt worden, für etwa 230 gibt es noch keine Käufer. «Ich hoffe, dass wir noch ein paar verkaufen können», sagt Linder. Und er hofft, dass die Zeit reicht bis nächsten Mai.

«Wir haben alles probiert»

Wenn Linder an das Ende des Friedhofs denkt, kommt ihm die Galle hoch. Er hat schon Briefe an Behörden und Organisationen geschrieben und dabei, wie er sagt, nicht immer die freundlichsten Wörter gewählt - und manchmal, wie er zu gibt, auch ziemlich harsche. Doch das stört ihn nicht. Er werde sich dann noch einmal zu Wort melden, sagt er, und es scheint nicht, als ob er seine Wortwahl mässigen wollte.

Auf Facebook, wo der Autofriedhof noch viele Freunde hat, hat er beispielsweise diese Zeilen publiziert: «Wir haben alles probiert, ein Biologe hat auf dem so verseuchten Gelände 151 verschiedene Pflanzen gefunden, der Ornithologe 50 verschiedene Vogelarten, wovon zwei auf der roten Liste, aber all das interessiert keine Sau, sobald es politisch wird, gibt es nur noch Weicheier und Angsthasen!»

Für Linder ist der Autofriedhof ein Biotop, «unberührte Natur» habe es hier gegeben. Vögel, Frösche, Igel. Und die drei Fuchsfamilien, denen er sich früher auf bis drei Meter nähern konnte, nicht mehr. Sie sind weg. Und Roger Linder bald auch. Was dann kommt, weiss er noch nicht. Sicher aber wird er kein Auto vom Friedhof mit nach Hause nehmen.

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