Ferienspass
«Autofahren ist viel gefährlicher»

Tiger, Leoparden und Löwen wohnen in Olsberg auf der Sennweide. Dompteur Jürg Jenny gab einen Einblick in seine Arbeit und zeigte im Rahmen des Ferienspasses Region Frick seine Raubtiere.

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Aargauer Zeitung

Lilly-Anne Brugger

Sind Sie auch schon verletzt worden? Haben die Tiere untereinander nie Streit? Können Sie auch mal Ferien machen? Wie viel fressen die Tiere pro Tag? Verdienen Sie auch etwas? Diese und zahlreiche weitere Fragen stellten die Kinder, nachdem sie in Olsberg im Rahmen des Ferienspasses der Region Frick eine Raubtierdressur von Jürg Jenny miterleben konnten. Der Olsberger zeigte den Kindern, wie er mit vier jungen Tigerdamen, drei Löwen und zwei Leoparden in der von Gitter umschlossenen Manege arbeitet.

Keine Schwäche zeigen

Die Kinder, viele wurden von ihren Eltern begleitet, sassen mit angehaltenem Atem im Publikum und verfolgten mit grossen Augen die Arbeit von Jürg Jenny. «Komm hier rauf. Na komm schon», lockte Jenny eine der Tigerdamen. «Willst du hier rauf? Hier rauf sollst du! Nun mach schon! Sei nicht bockig und geh jetzt endlich hier rauf!» Jürg Jenny liess nicht locker. Immer wieder zeigte er mit einem Stück Fleisch, das er auf einen Holzstock aufgespiesst hatte, auf ein Podest. Erst nach mehrmaligem Locken stieg das Tier aufs Podest.

24 Jahre lang war Jürg Jenny mit seinen Raubtieren in ganz Europa unterwegs und trat in verschiedenen Zirkussen auf. Olsberg nutzte er als Winterquartier. Vor elf Jahren beschloss Jenny, in Olsberg sesshaft zu werden. Seit dann leben seine Raubtiere in grossen zooähnlichen Gehegen auf der Sennweide in Olsberg und Jenny arbeitet fast täglich mit den Tieren. «Für die Tiere ist es eine Abwechslung, wenn sie sich einmal pro Tag konzentrieren müssen.» Jeweils am Sonntag ist die Probe öffentlich. Der Eintritt ist gratis. Mit den Spenden aus der Futterkasse könne er die Ausgaben fürs Futter decken, sagt Jenny. Und das ist nicht wenig: Etwa 50 Kilogramm Fleisch fressen seine Tiere pro Tag.

Zwei Meter lange Narben

Nach der Dressur-Vorführung konnten die Teilnehmer des Ferienspasses Jürg Jenny ihre Fragen stellen. Anfänglich noch schüchtern, wurden die Kinder immer mutiger. Besonders interessiert zeigten sich die Kinder, ob sich Jürg Jenny bei seiner Arbeit auch schon einmal verletzt habe. «Wenn man meine Narben zusammenzählt, sind sie bestimmt zwei Meter lang», meinte Jenny auf diese Frage. Sogleich fügte er aber an, dass es immer seine Schuld gewesen sei, wenn ihn seine Tiere verletzt hätten. «Auto fahren ist gefährlicher als Raubtiere dressieren», war Jenny überzeugt. Trotzdem müsse man vorsichtig sein - vor allem bei handzahmen Tieren. «Diese beissen ohne Vorwarnung zu», so Jenny.

«Haben Sie denn auch einmal Ferien?» Eine naheliegende Frage der Kinder, die gerade ihre erste Ferienwoche verbringen. Jürg Jenny schmunzelte und meinte, seit er in Olsberg sesshaft sei, könne er ab und zu in die Ferien fahren. «Doch während meiner Zeit beim Zirkus war dies absolut unmöglich. Da hatte ich keine freie Minute», so Jenny. In den letzten Jahren ist er nun aber regelmässig verreist. Zum Beispiel ins Herkunftsland seiner Tiere, nach Afrika.

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