Autobahn – Fluch oder Segen?

«Wir wollen unsere Bevölkerung einheitlich informieren – nicht auf dem Latrinenweg», pflegt Egerkingens Gemeindepräsidentin Johanna Bartholdi in Bezug auf das Problem Autobahnkreuz Härkingen-Anschluss Egerkingen zu sagen. Gestern fand im Gemeindesaal ein Podiumsgespräch statt. Es kamen über 100 Interessierte.

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Autobahn – Fluch oder Segen?

Autobahn – Fluch oder Segen?

Solothurner Zeitung

Myriam Sperisen

Alle an einen Tisch zu bringen, war offenbar einfacher als vielleicht angenommen wird. Klar, die Verantwortlichen aus Solothurn und Bern hätten sich laut Angaben von Egerkinger Behördenmitgliedern zunächst etwas geziert, doch dann sei es schnell gegangen.

Das Thema des Podiumsgesprächs war denn auch umfassend und unbequem: «Autobahnkreuz Härkingen – Anschluss Egerkingen: ist Egerkingen in der Abseitsfalle? Segen oder Fluch?». Frontal zum Publikum sassen Rolf Büttiker, dessen Interpellation im Ständerat zum Thema Anfang Monat beantwortet worden war;

Jürg Röthlisberger Vizedirektor ASTRA; Kantonsingenieur Peter Heiniger; und nicht zuletzt Gemeindepräsidentin Johanna Bartholdi, die bereits im Wahlkampf versprochen hatte, in Bezug auf das brisante Thema «wadenbissig» zu sein und es zu bleiben.

Die Geister, die sie riefen ...

Einleitend ergriff FDP-Ortsparteipräsident Hansjörg Schürmann das Wort: «Die Geister, die wir vor über 40 Jahren riefen, werden wir nicht mehr los.» Was früher modern war, ein Segen, entwickle sich zum Fluch. Er sprach von «unzumutbaren Immissionen» und davon, dass bislang vieles «nichts brachte», wie die diversen Vorstösse zur Immissionsbekämpfung.

Lediglich ein leichtes Lächeln der zuständigen Behörden sei zu erkennen gewesen, gefolgt von zögerndem Handeln. Er sprach zudem von «Regel-Auslegung zuungunsten der Schwächeren, der hiesigen Bevölkerung». Er fasste den Unmut der vergangenen Jahre noch einmal in Worte und gewichtete in seiner Rede vor allem auch die «fragwürdigen» Lärmmessungen.

Gemeindepräsidentin Johanna Bartholdi forderte: «Wir wollen als gleichberechtigte Partner mitbestimmen.» Doch die Antwort von Astra-Vizedirektor Jürg Röthlisberger fiel eher ernüchternd aus: «Einbeziehung der Gemeinde heisst noch lange nicht, dass man sich beim Design beteiligen kann.»

Der Wolfwiler Ständerat Rolf Büttiker griff das Thema Lärmschutzwände auf: «Wenn ich mich achte, wer alles Lärmschutzwände hat: zum Beispiel Oensingen», sinnierte er, und stichelte: «aber ich weiss, wer alles in Oensingen wohnt», relativierte dann sofort wieder: «Die Lärmschutzwände dürfen dort stehen, aber ich stelle die Frage, warum wir das hier nicht haben.» Auf seine Forderung «endlich in Richtung Lärmschutz etwas zu machen» folgte Applaus.

Votant Bruno von Rohr (Projektleiter von «Lebens(t)raum(a) Egerkingen») kritisierte unter anderem die alten Autobahnanlagen. Der Fall Egerkingen werde in die Generalplanung Härkingen-Luterbach einbezogen, antwortete der Astra-Verantwortliche. Die Forderung aus dem Publikum war klar: jetzt ging es um das Datum. Doch viel mehr als die Aussage, dass bis im Jahr 2015 gesamtschweizerisch Lärmmessungen durchgeführt werden, war nicht zu vernehmen.

Johanna Bartholdi bleibt hartnäckig

Punkto Lärmschutz hiess es von Seiten des Astra: «Die Bürger müssen einsehen, dass es lärmtechnische Standards gibt», und: «Wenn die Bevölkerung mehr als diesen Standard möchte, muss sie es selber bezahlen.» Das löste Empörung im Publikum aus.

Doch bekanntlich ist das Thema Lärmschutz nur eines von vielen; die Planung allgemein liegt der Bevölkerung auf dem Magen, die Ungewissheit und vor vollendete Tatsachen gestellt zu werden, wie es hiess. Kantonsingenieur Peter Heiniger versprach, dass der Kanton das Problem gemeinsam mit dem Astra an die Hand nehmen wolle.

Röthlisberger monierte: «Es besteht die Gefahr, dass wir schnell viele Fehler machen», und sprach quasi das Problem an, es nie allen recht machen zu können. Die Gemeindepräsidentin betonte mit Nachdruck: «Ich werde alle sechs Monate nachfragen, wie es steht.» Damit müssen sich alle vorerst wieder zufrieden geben.

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