Prügel
Ausweichen, Abstand halten, schreien

Um Gefahrensituationen zu vermeiden, soll man auf die eigenen Gefühle hören. Die Prügelattacken auf Passanten werden immer brutaler – was Experten raten.

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Gewaltattacke

Gewaltattacke

Keystone

Beat Rechsteiner

Völlig unvermittelt fliegt dem Opfer die Faust ins Gesicht. Es braucht keine Auseinandersetzung und keine Provokation - die Täter schlagen willkürlich zu. Weil sie sich stark fühlen, wenn sie dem Wehrlosen am Boden mit Tritten den Rest geben. Rücksicht auf Verluste gibt es nicht. Kaum ein Tag vergeht ohne eine neue, furchteinflössende Nachricht von der Strasse. Der jüngste Fall: Am Sonntag schlug ein Unbekannter in Dübendorf ZH zwei Männer mit einer Eisenstange spitalreif.
Die Angst geht um in der Schweiz. Ehemals Furchtlose geraten ins Grübeln, wenn sie der einsame Heimweg nachts durch dunkle Gassen führt. Was, wenn sie hinter der nächsten Ecke lauern? Chantal Billaud macht für den schlimmsten Fall wenig Hoffnung. Sie ist stellvertretende Geschäftsleiterin bei der Schweizerischen Kriminalprävention und weiss: «Wenn man einer Überzahl an gewaltbereiten Personen gegenübersteht, die es auf einen abgesehen haben, hat man in der Tat wenig Chancen.»
Und dennoch hat sie einige Ratschläge parat, die potenzielle Opfer vor Attacken schützen könnten. Die wichtigste Grundregel lautet: Stets wachsam sein und versuchen, die Gefahr wenn möglich frühzeitig zu erkennen. Das bedeutet vor allem, dass man auf seine Gefühle hört und seinem Instinkt folgt. Weitere Tipps finden sich im aktuellen Sicherheitsratgeber der Präventionsstelle:

Diskretes Verhalten Im Ausgang keine zu auffälligen Kleider tragen, nachts auf der Strasse möglichst zielstrebig gehen, verbale Provokationen ignorieren und selbst stets sachlich und ruhig bleiben.

Abstand halten Ausserhalb der Schlag- und Trittweite von Personen bleiben, die einem aggressiv oder potenziell gefährlich vorkommen.

Ausweichen Lokale, in denen es häufig zu Gewalt kommt, oder Gegenden, die als gefährlich gelten, meiden. Betrunkenen aus dem Weg gehen.

Grenzen setzen Wenn man angefasst wird oder einem jemand zu nahe kommt, soll man klarmachen, dass man das nicht will. Die betreffende Person dabei mit «Sie» ansprechen, damit Aussenstehende sofort erkennen, dass es sich um eine Belästigung durch einen Fremden handelt.

Schreien Wer angegriffen wird, soll um Hilfe schreien. Sind Passanten in der Nähe, diese direkt ansprechen: «Sie in der roten Hose, helfen Sie mir!»

Eskalation verhindern In bedrohlichen Situationen sollte man nicht die Konfrontation suchen und weder körperlich noch verbal angreifen. Sich auf Notwehr beschränken.
Eher skeptisch steht Chantal Billaud dem Einsatz von Waffen wie zum Beispiel einem Pfefferspray zur Verteidigung gegenüber. Im Einzelfall könne das zwar durchaus helfen. Doch sie gibt zu bedenken: «Jede Waffe kann im Ernstfall von den Tätern auch gegen einen selbst gerichtet werden.»
Letztlich, so die Kriminologin, gebe es kein Patentrezept gegen Gewalt. Und in manchen Fällen, wenn die Täter wie aus dem Nichts auftauchen und attackieren, kann das Opfer wohl nur noch versuchen, sein Gesicht zu schützen und hoffen, dass die brutalen Schläger wieder von ihm ablassen.