Lengnau
Aussen historisch und innen ganz modern

Das denkmalgeschützte Bauernhaus an der Bielstrasse 5 in Lengnau soll umgebaut werden. Geplant sind sechs grosse Dreieinhalbzimmerwohnungen. Gelingt das Vorhaben, erfährt der Dorfkern eine Aufwertung.

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Bauernhaus in Lengnau

Bauernhaus in Lengnau

Grenchner Tagblatt

Von Daniela Deck

An der Fassade zur Hauptstrasse steht prominent die Werbung der Solothurner Immobilienfirma Immopart. Eine Wohnung im Parterre ist derzeit bewohnt. Dort lebt die Landwirtefamilie Spahr, die früher auf dem ganzen Hof zuhause war. Angesprochen auf das ambitiöse Bauprojekt, gibt sich Rudolf Spahr äusserst wortkarg: «Heute und morgen geht noch nichts.»

Mehr zu sagen hat Immopart-Inhaberin Ursula Schmitz. Sie erklärt, wovon die nächste Etappe der Sanierung abhängt: «Eine Wohnung ist bereits verkauft. Sobald wir einen weiteren Käufer haben, geht es richtig los.» Das bedeutet, dass die einstige Scheune mit einer grossen Glasfront versehen wird. Dort wird auch ein Lift und die Haustechnik eingebaut.

Wohnraum für Paare und Singles

Geplant ist der Bau von sechs Wohnungen. Dass es sich bei allen um Dreieinhalbzimmerwohnungen handelt, mag auf den ersten Blick erstaunen. Hört man doch überall, dass heute grosse Wohnungen im Trend sind. Ursula Schmitz kontert diesen Einwand mit der Lage des Hauses. «Im Zentrum gibt es keinen Markt für Sechszimmerwohnungen. Diese sind am Rand der Siedlungen gefragt. Zentren sind die Wohnräume von Paaren und Singles, weniger von Familien mit Kindern.»

Was die Grösse der Wohnungen angeht, können sich diese durchaus sehen lassen. Sie werden zwischen 90 und 200 Quadratmetern gross. «Der Charakter der einzelnen Wohnungen ist sehr unterschiedlich», erklärt Ursula Schmitz, und meint damit nicht nur den Grundriss. Sie schwärmt: «Was an diesem Standort super wird, ist die Kombination von alt und neu.»

Mehr Zeit und tiefe Löhne

Weil das alte Bauernhaus unter Denkmalschutz steht, sind besondere Anstrengungen nötig. Umbau und Sanierung werden rund 2,5 Mio. Franken kosten. Ausgeführt werden die Arbeiten von einer Firma, die sich auf Bauernhäuser spezialisiert hat, der Hermann Meyer AG in Siselen.

Besondere Sorgfalt verlangt der Umgang mit den Bruchsteinmauern aus Jurakalk. Diese sind vielen Häuser in Lengnau gemeinsam. Dabei sind diverse der Mauern trocken, das heisst ohne Mörtel, gebaut worden. Anhand dieses Merkmals kann Hermann Meyer die Bielstrasse 5 auf die Zeit zwischen 1880 und 1920 datieren. Wie alt das Haus jedoch genau ist, weiss er nicht.

«Die Kenntnis um diese Bautechnik ist weitgehend verloren», weiss der Fachmann. «Aber selbst wenn dem nicht so wäre, sie wäre unbezahlbar. Früher hatten die Menschen nicht nur viel Zeit, sondern vor allem tiefe Löhne.» Aussen werden die dekorativen Mauern behutsam ausgebessert.

Innen werden sie mit einer modernen Isolation mit Zwischenluftraum versehen. «Aussen historisch, innen hell», bringt Hermann Meyer die Philosophie auf einen griffigen Nenner. Er ist überzeugt, dass sich Architektur und Lebensgefühl nicht trennen lassen. «Im Zentrum sollte man die Menschen zusammenbringen. Dieses Haus soll dieses Anliegen widerspiegeln.»