Ausnahmezustand in Burgdorf

Für einmal läuten am Montagmorgen in Burgdorf nicht die Schulglocken. Es lockt das traditionelle Stadtfest – die Solennität. Kinder aller Altersstufen nehmen ganz in Weiss gekleidet am Umzug durch die Burgdorfer Altstadt teil.

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Solothurner Zeitung

Mirjam Arnold

Der Weg ist gesäumt mit Publikum: Mütter, Geschwister, Freunde. Schon um halb neun Uhr scheint die Sonne auf die wartende Menge runter. Das Wetter zeigt sich von seiner besten Seite. Punkt neun Uhr geht es los. Umrahmt von Trommelklängen und Marschmusik setzt sich der Umzug in Bewegung.

Unter den teilnehmenden Kindern sind die Drittklässler Philine Erpen und Jann Drexler mit ihrer Klasse weit vorne. Ohne Spuren von Nervosität stehen sie geduldig an ihren Plätzen und warten, bis sie an der Reihe sind. «Die Solätte ist schon toll. Einerseits altmodisch, andrerseits darf man aber moderne Kleider anziehen», erklärt die neunjährige Philine. Auch Jann schliesst sich dieser Aussage an. Das Altmodische sei eben die Tradition selber. Es sei schon speziell, im Umzug zu marschieren. «Allerdings mag ich die Blumen nicht unbedingt», erklärt der ebenfalls neunjährige Schüler grinsend. Blumen hat es viele. Sie zieren die Köpfe und Hände der Mädchen, die T-Shirts und Blazer der Jungs - und vieler Zuschauer.

Die 278. Auflage des Traditionsanlasses

Langsam bewegt sich die weisse Schar von der Musikschule in Richtung Kirche. Bereits zum 278. Mal findet dieses Stadtfest statt. Nicht nur die Kleinen empfinden die Solennität als eine pflegenswerte Tradition. Auch für die etwas grösseren Schülerinnen und Schüler ist die Solätte ein toller Event. «Wir freuen uns heute am meisten auf die Stände, wo man Sachen kaufen kann», sind sich Philine und Jann einig. Mittlerweile sind sie fast bei der Kirche angelangt. Zuletzt kommen die etwas älteren Jahrgänge der Schüler. «Der Abend ist viel versprechend», prophezeit Achtklässler Yves Schwarz. Er ist auch weiss angezogen und musste dazu nicht lange suchen. «Mein Bruder hatte gerade erst seine Konfirmation. Da durfte ich seine weisse Schale benutzen», erklärt der 14-jährige Schüler.

Beim Haupteingang der Kirche rein, dann durch die randvolle Kirche - und zur Hintertür wieder raus. So zumindest sieht das Ganze aus dem Blickwinkel einer unbeteiligten Person aus. Danach werden Fotos mit den Eltern geschossen

oder man geniesst sonst seine freie Zeit. Während sich einige der Jungs schwer tun mit der Garderobenpflicht, scheinen die Mädchen überaus Gefallen zu finden. «Einmal im Mittelpunkt zu stehen, ist doch schön. Auch die Eltern haben eine Riesenfreude daran», erklären Lea Reusser und Larissa Stryffeler, ebenfalls Schülerinnen der 8. Klasse. Nur: Warum wird die Solennität eigentlich gefeiert? «Keine Ahnung», «Weiss nicht» und «hmm...». So lauten die meisten Antworten der Kinder und Jugendlichen. Einige sind aber nahe dran. «Ich denke, dass es ein Blumen- und Kinderfest ist - oder ein Fest, um den Sommer zu begrüssen», sagt Lea Reusser.

Die Träne der Rührung gehört auch dazu

Tatsächlich handelt es sich um eine Art Schulschlussfest, wo die Lehrer mit den Schülern Richtung Stadtkirche marschieren. Stets angeführt von den Kadetten Burgdorf, die mit Marschmusik das Erscheinen der Kinderschar ankündigen. In der Kirche angekommen, erhalten die Erstklässler eine Gedenkmünze. Einige im Publikum können ihre Tränen nicht unterdrücken. Fliessen sie in Erinnerung an die eigene, vergangene Solätte, weil die unschuldig wirkenden Kinder die Gemüter berühren oder einer Blütenpolle wegen? Bei so prächtig sommerlichem Solätte-Wetter, den Emotionen und der Freude gehört wohl die eine oder andere Träne des Stolzes oder der Rührung ganz einfach dazu.