«Ausländer fühlen sich schneller im Stolz verletzt»

Nicht jeder darf an den Partys in        der Kettenbrücke abtanzen. Die Türsteher pflegen das Image des Aarauer Clubs und achten bei den Gästen auf gepfleges Äusseres. (Bild: zvg)

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Nicht jeder darf an den Partys in der Kettenbrücke abtanzen. Die Türsteher pflegen das Image des Aarauer Clubs und achten bei den Gästen auf gepfleges Äusseres. (Bild: zvg)

Wer in die Kettenbrücke will, muss am Eingang seinen Ausweis zeigen; das gehört zum Konzept des «Safer Clubbing». Hartnäckig halten sich Gerüchte, dass nicht alle Nationalitäten eingelassen werden.

Irena Jurinak

Es ist Freitag Abend um halb Elf. Vor dem Eingang zur Kettenbrücke in Aarau stehen junge Männer und Frauen Schlange. Sascha Stanculovic will mit seinen Freunden feiern und wartet darauf, eingelassen zu werden. «Ich hatte schon beim ersten Mal kein gutes Gefühl, es gab Gerüchte, dass Jugendliche aus dem Balkan nicht reingelassen werden», sagt der Kundenberater.

Tatsache ist, der Türsteher kontrolliert jeden Ausweis, Sascha Stanculovics Schweizer Freunde hat er bereits hineingelassen, ihn weist er an, noch zu warten. Dann muss auch der Serbe mit C-Bewilligung seinen Ausweis zeigen. Der Türsteher schüttelt den Kopf. Sascha Stanculovic darf an diesem Abend nicht in den Club. Als er wissen will warum, zeigt der Türsteher auf die Hausordnung: «Der Zutritt kann ohne Begründung verweigert werden.»

Stanculovic ist überzeugt, dass er wegen des «-ics» im Namen nicht hineingelassen wird. Es nütze auch nichts, wenn seine Freunde sich für ihn einsetzten. Nur wenn er auf der Gästeliste stehe, könne er in der Kettenbrücke mit seinen Freunden feiern. «Ins Flössi bin ich immer problemlos hineingekommen, dort wird kein Unterschied gemacht», beklagt er sich.

Club weist Vorwürfe zurück

Tanja Krajlevic, Geschäftsführerin der Kettenbrücke weist den Vorwurf zurück. «Wir lassen alle Nationalitäten in unseren Club, ich habe ja selber ein «-ic» im Namen», sagt die Kroatin. Bei der Eingangskontrolle achte man auf die Ausstrahlung. Wenn jemand aggressiv wirke oder bereits starkt angetrunken sei, werde er nicht eingelassen.

«Jeder, den wir nicht hineinlassen bedeutet für uns Umsatzeinbussen», führt George Antoniadis, Geschäftsführer der Partyorganisation Pop Art, zu der die Kettenbrücke gehört, aus. «Den Vorwurf, dass Security-Leute rassistisch sind, hören wir oft. Das stimmt einfach nicht.» Man müsse sich aber bewusst sein, dass es mit ausländischem Publikum mehr Probleme gebe, als mit Schweizer Publikum, so der Clubbetreiber. «Sie fühlen sich schneller im Stolz verletzt und reagieren aggressiv, wenn sie ihren Ausweis zeigen müssen oder wenn man ihnen sagt, dass sie nicht in den Club dürfen.» Die Reaktion zeige meist, dass die Türsteher die Person richtig eingeschätzt hätten.

Gepflegte Kleidung erwünscht

Die Ausweiskontrolle habe zudem nichts mit der Nationalität zu tun so Antoniadis. «Einerseits müssen wir das Alter kontrollieren, andererseits ist es im Club viel ruhiger, seit alle den Ausweis zeigen müssen. Wer davon ausgehen muss, dass der Türsteher seinen Namen kennt, stellt weniger an.» Müsste der Türsteher jedem auch noch erklären, warum er nicht eingelassen wird, wäre dieser den ganzen Abend am diskutieren. «Wir achten auf gepflegte Kleider und eine gute Ausstrahlung. Das ist unser Image. Die Leute kommen zu uns, weil sie hier gepflegte Männer und Frauen erwarten.»

Das Thema der Diskriminierung wird zurzeit im Rahmen eines runden Tisches mit allen Clubbetreibern der Sektion Safer Clubbing Aargau diskutiert. Ausserdem prüfen die Clubs einen von der eidgenössischen Kommission gegen Rassismus herausgegebenen Verhaltenskodex (siehe Box) auf die Praxistauglichkeit. Auf der Hausordnung in der Kettenbrücke steht bereits heute zu lesen «rassistische Übergriffe werden nicht toleriert». Sascha Stanculovic hat das bisher nichts genützt. Er geht nur noch in die Kettenbrücke wenn er auf der Gästeliste steht. «Aber eigentlich ist mir die Lust vergangen.»

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