Dietikon

Ausgestellte Lebensretter

Peter Honegger: «20 Minuten haben wir die Frau beatmet, sonst hätte sie nicht überlebt», erinnert sich der alt Feuerwehrkommandant an einen Einsatz.

Feuerwehr

Peter Honegger: «20 Minuten haben wir die Frau beatmet, sonst hätte sie nicht überlebt», erinnert sich der alt Feuerwehrkommandant an einen Einsatz.

In der Historie wird die Dietiker Feuerwehr im Jahre 1700 erstmals erwähnt. Jetzt kann man sich im Ortsmuseum Dietikon ein Bild machen über die Arbeit der Feuerwehr – einst und heute.

Marco Mordasini

Das Leuchten in den Augen von Peter Honegger verrät, dass er mit Leib und Seele Feuerwehrmann war. Das Spezielle im Korps sei «die Freude und die Zugehörigkeit» gewesen, und dass man habe «soziale Kontakte knüpfen» können, erklärt er, der zwischen 1977 und 1984 der Dietiker Feuerwehr als Kommandant vorstand, auf einem Rundgang durchs Dietiker Ortsmuseum.

Vor einer Woche war die Ausstellung im Ortsmuseum über die Feuerwehr Dietikon feierlich eröffnet worden - gezeigt werden Utensilien und Fotos aus der Geschichte der Feuerwehr (siehe dazu auch Bilderstreifen rechts). Nebst den heute für die Belange der Feuerwehr Verantwortlichen gab es bei der Vernissage ein Wiedersehen mit vielen Protagonisten früherer Tage. Dietikons Sicherheitsvorstand Heinz Illi wies dabei auf die Bedeutung der heute 107 Mann umfassenden Feuerwehr hin. Bei jedem Einsatz, so Illi, gehe es in erster Linie darum, Menschen zu retten.

Keine «fremden Fötzel»

Seit 1873 gab es in Dietikon insgesamt 14 Feuerwehrkommandanten, Peter Honegger erinnert sich an viele Details aus seiner Aktivzeit. «1959 trat ich der Feuerwehr bei, nur um die Feuerwehrsteuer zu sparen. Denn 300 Franken waren für die damalige Zeit sehr viel Geld», sagt er schmunzelnd. Vom damaligen Verantwortlichen, Josef Koch, wurde er jedoch zuerst abgelehnt. Weil die Feuerwehr Dietikon Unterbestand aufwies, musste man ihn trotzdem aufnehmen. Und dass dies ein weiser Entscheid war, sollte sich später noch weisen. «Fremde Fötzel» habe man eben nicht in der Feuerwehr haben wollen, erinnert sich der gebürtige Flumser.

Wenn man wie Peter Honegger 28 Jahre in der Feuerwehr diente, erlebt man einiges. Es sind viele Eindrücke, die ihn manchmal noch heute bewegen. Beispielsweise der 18-jährige Neulenker, der bei einem schweren Autounfall bis zur Unkenntlichkeit verbrannte. Oder jene Frau, die Honegger eigenhändig aus dem Flammen trug. Sie hatte ihrem Leben ein Ende setzen wollen und deswegen Feuer gelegt. «20 Minuten haben wir die Frau beatmet, sonst hätte sie nicht überlebt. Der Geruch von verbranntem Fleisch vergisst man nie», sagt er.

Die Sache mit dem Papagei

Die Arbeit der Feuerwehr sei ein Dienst an Menschen in Not, auch wenn die Dankbarkeit gegen null tendiere, meint Honegger. «Meine grösste Sorge, egal bei welchem Einsatz, galt immer meinen eigenen Leuten. Denn für die war ich alleine verantwortlich», so Honegger.

Nebst tragischen Einsätzen gab es bei Honegger immer wieder auch solche, die für ein Schmunzeln sorgten. Wie damals der weisse Papagei in der Lorenz-Hütte. Während zwei Stunden war jeder Bergungsversuch gescheitert, worauf Honegger die zündende Ausrede hatte. «Schlagen Sie bei Dunkelheit mit einem Holz gegen den Baumstamm, dann fällt der Vogel runter», sagte Honegger zur Besitzerin. Zwei Tage später wurde das kostbare Federvieh beim Schützenhaus gefunden und konnte an die Besitzerin zurückgebracht werden.

Das Leuchten in den Augen

«Falls heute das Gefühl der Zusammengehörigkeit noch gleich ist wie damals, würde ich sofort wieder in die Feuerwehr eintreten», sagt Honegger. Sie seien damals eine verschworene Truppe gewesen, die ihn herzlich aufgenommen haben, so der alt Kommandant beim Verlassen des Museums. Und immer noch hatte er dieses Leuchten in den Augen.

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