Vorschau zu Raiffeisen-GV
Aus Platznot will die Raiffeisenbank die Urabstimmung einführen

Die Abstimmungen brieflich statt an der Generalversammlung durchführen können: das möchte die Raiffeisenbank Rohrdorferberg-Fislisbach. Dieses Ansinnen rief einen Kritiker auf den Plan.

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«GV wird nicht abgeschafft»

«GV wird nicht abgeschafft»

Andreas Tschopp

«Die Art und Weise, wie dieser Antrag vorgelegt wird, ist inakzeptabel», schreibt Werner Bäschlin aus Staretschwil in einem Leserbrief. Anlass für seine Empörung im Vorfeld der Generalversammlung der Raiffeisenbank Rohrdorferberg-Fislisbach ist das unter Punkt 8 zu behandelnde Traktandum «Einführung der Urabstimmung». Weitere Erläuterungen fehlen im Einladungsschreiben. Um zu wissen, um was es gehe, müsse man erst einmal wissen, dass es dazu ein Reglement gebe, das am Bankschalter oder im Internet zu holen sei, kritisiert Bäschlin und folgert: «Das ist eine Zumutung und ein Zeichen von Arroganz der Leitung der Bank.»

Zuerst Reglement, Einführung «bei Bedarf»

Was bewegt also die zweitgrösste Raiffeisenbank in der Region Ostaargau dazu, die Urabstimmung einführen zu wollen? «Wir haben zunehmend ein Raumproblem an der GV», erklärt Bankleiter Daniel With und verdeutlicht das mit Zahlen. 1650 Anmeldungen seien eingegangen für die morgige Generalversammlung, die gleichzeitig in der Turnhalle Hinterbächli in Oberrohrdorf und in der Mehrzweckhalle Rüsler in Niederrohrdorf stattfindet. Beide Hallen seien damit «übervoll», sagt der Bankleiter. Mit dem Erlass eines Reglements, das dem Verwaltungsrat die Kompetenz gibt, «bei Bedarf», so With, die Urabstimmung einzuführen, wolle sich die Bank nun nichts weiter als Handlungsspielraum verschaffen. «Die GV wird nicht abgeschafft», hält Daniel With fest.

«Verfahren wird viel sauberer»

Wie der Bankleiter betont, werde es weiterhin Zusammenkünfte geben, wo den Genossenschaftern der Geschäftsverlauf erläutert wird. Diese könnten neu aber gestaffelt durchgeführt werden, wenn die Abstimmung vorab auf dem Korrespondenzweg erledigt werde, führt With aus. In Entgegnung des Vorwurfs des Leserbriefschreibers, die Kontrollmöglichkeit durch die Basis werde beschnitten, betont der Bankleiter, dass vielmehr eine Ausweitung des Mitspracherechts erfolge mit der Urabstimmung. Denn an dieser könnten alle Genossenschafter teilnehmen, auch jene, die am GV-Abend verhindert seien, meint With.

«Das Verfahren wird viel sauberer», unterstreicht auch Rolf Erni, Leiter der Raiffeisenbank Aare-Reuss. Diese Bank mit Hauptsitz in Mellingen und einem Geschäftsgebiet bis ins Schenkenbergertal hat schon vor zehn Jahren die Urabstimmung eingeführt. Dies mit dem erklärten Ziel, die (gestaffelten) Orientierungen in den Dörfern beizubehalten, sagt Erni. «Denn wir wollten keine unpersönliche Satellitenübertragung», betont der Bankleiter. Man sei mit dem neuen System bisher gut gefahren und habe auch zwei Zusammenschlüsse problemlos über die Bühne gebracht, erklärt Erni. Er hält zudem fest, dass die Beteiligung an der Urabstimmung leicht höher sei und es tendenziell mehr Neinstimmen gebe als an einer herkömmlichen GV.