Aus Nutzholz wurde Urwald

Aus Anlass des Internationalen Jahrs der Biodiversität präsentierten die Kantonsbehörden mit Stolz eines der ersten Schweizer Waldreservate, den Bettlachstock. Seit 25 Jahren wird hier der Wald der Natur überlassen.

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Aus Nutzholz wurde Urwald

Aus Nutzholz wurde Urwald

Solothurner Zeitung

Agnes Portmann-Leupi

Mystisch erweist sich der Weg vom Bettlachberg ins Gebiet Peterlischwang am Nordabhang des Bettlachstocks. In den steilen, schwer zugänglichen Hängen bewahrheitet sich die Redewendung, «über Stock und Stein».

Die Begeisterung für das 25-jährige Waldreservat ist aus den Gesichtern der damaligen Initiatoren Manfred Wyss, Präsident der Bürgergemeinde Bettlach und ehemaliger Vorsteher vom Amt für Raumplanung, sowie alt Kantonsförster Willi Jäggi ersichtlich.

Auf 561 Hektaren gewachsen

Eindrückliche Bilder mit urwaldähnlichem Charakter prägen den geheimnisvoll anmutenden Wald. Er ist Zeugnis dafür, dass schon seit Jahrzehnten keine Bäume mehr gefällt und abtransportiert werden. «Jeder Baum darf hier seine Altersgrenze erreichen und natürlich zusammenbrechen», erklärte Willi Jäggi.

Von Bewegung im Untergrund zeugen die in Schieflage geratenen Baumgruppen, welche einen «betrunkenen» Wald wiedergeben. Als Besonderheit bezeichnet Jäggi den Wald auf Blockschutt, den ein lokaler Bergsturz hinterliess.

Rottannen (Fichten) mit kräftigen Wurzeln – anstelle der im Jura vorherrschenden Buchen – klammern sich um die mit Moospolstern bedeckten Kalksteinblöcke.

Mehr als 70 verschiedene Blumen

Manfred Wyss berichtet, dass ein Projekt mit vier Waldstrassen im Gebiet des Bettlachstocks im Jahr 1982 Auslöser für die Schaffung des Reservats war. Auf die Einsprache der örtlichen Jagdgesellschaft habe der Kanton schliesslich nur zwei Strassen bewilligt.

1985 gab er – nach einem Landabtausch mit der Bürgergemeinde Bettlach – für die dabei entstandene Idee des Waldreservats grünes Licht.

Laut Hans Bienz, Leiter der Abteilung Natur und Landschaft im Amt für Raumplanung, ist es gelungen, ausgehend vom Naturreservat Bettlachstock, einen grossflächigen Lebensraumverbund zu bilden. Dazu gehören Waldreservate, ökologisch aufgewertete Waldränder, ungedüngte Juraweiden und Heumatten.

Eine Frühlingsschlüsselblume in der Hand haltend, meint er: «Sie ist ein Garant dafür, dass auf dieser Wiese rund 70 verschiedene Blumen blühen werden.» Heute umfasst das Gebiet total 561 Hektaren.

Totes Holz ist nicht tot

Nach Angaben von Jürg Froelicher, Kantonsförster und Chef des Amts für Wald, Jagd und Fischerei, wird die Biodiversität im Solothurner Wald in dreifacher Hinsicht gefördert:

durch naturnahe Waldbewirtschaftung, die ökologische Aufwertung der Waldränder zu biologisch wertvollen Lebensräumen sowie Waldreservate und Altholzinseln.

«Viele Lebewesen des Waldes, wie Käfer und Insekten, Pilze und Flechten, höhlenbrütende Vögel – darunter viele bedrohte Arten – sind auf dicke alte Bäume und totes Holz angewiesen», sagt er.

Regierungsrätin Esther Gassler zeigt sich zufrieden, dass Biodiversität im Kanton Solothurn politisch verankert und von Eigentümern und Bewirtschaftern mitgetragen wird (siehe Kasten unten). Drei Gründe seien dafür verantwortlich: Freiwilligkeit, finanzielle Anreize und Verzicht auf hoheitliche Schutzverfügungen.

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