Folgekosten
Aus IG-Sicht versagte der Denkmalschutz

Die IG Pro Steg verschärft ihren Ton, nachdem bekannt wurde, dass der Eisensteg beim alten Kraftwerk 2010 als erstes Objekt abgerissen werden soll. Präsident Peter Scholer nimmt kein Blatt vor den Mund: «Ein Abbruch ist blinder Vollzugsgehorsam gegenüber Ämtern.»

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Steg-Aktivisten

Steg-Aktivisten

Aargauer Zeitung

Peter Rombach

Die IG lässt nicht locker und zeigt sich kampfeslustig, wohl wissend, dass sie vom Gemeinderat bereits Schützenzhilfe erfährt. Um die Positionen zu untermauern, inszenieren Scholer und Co. am Montagnachmittag bei eisigem Wind und Regen auf dem Eisensteg - über dem Pfeiler auf der Schweizer Rheinseite - eine Medienkonferenz. Peter Scholer räumt ein: «Das Eis, auf dem wir stehen, ist dünn.» Doch was seit 112 Jahren existiere, könne auch nochmals fünf Jahre lang überdacht werden.

«Rechnen mit Zustimmung»

Grosse Hoffnung setzen die IG-Leute auf die Versammlung der Rheinfelder Einwohnergemeinde, die sich mit der Volksinitiative für einen Erhalt des alten Kraftwerks mit Eisensteg beschäftigt. «Wir rechnen mit grosser Zustimmung», meint Scholer. Das Moratorium bis zum 31. Dezember 2014 müsse Zeit bringen, um den Erhalt des Ensembles sicherzustellen. Der Verbindungsweg über den Rhein dürfe nicht unterbrochen werden, zumal das Kraftwerk auch fortlaufend Strom zu liefern habe. Scholer bezweifelt übrigens, dass vom nächsten Herbst an bereits über die neue Kraftwerkanlage spaziert werden kann.

IG-Vorstandsmitglied Ueli Urwyler verlangt, erneut über die Bücher zu gehen. «Für unsere Nachfahren sollte man das alte Kraftwerk stehen lassen.» Hoffnungsvoll stimmt ihn die Kunde, dass beide Städte Rheinfelden Ende Oktober eine Studie über Nutzungskonzept und Folgekosten in Auftrag gaben. Nach AZ-Informationen erfordert sie rund 10 000 Euro. Vorgesehen sei, erste Ergebnisse an der Einwohnerversammlung vorzustellen, so Urwyler.

Update

Der Regierungsrat des Kantons Aargau genehmigte am 15. Juni 1898 den Bau eines «Dienststegs», der den Schweizer Arbeitern den Zutritt zu den neuen Industriequartieren auf badischer Rheinseite erleichtern sollte. Entsprechend der Konzessionsvorgaben für den Neubau des Kraftwerks diente er damals vor allem dazu, elektrische Leitungen in die Schweiz zu führen. Den Steg hält die gleiche Niettechnik zusammen, wie sie beim Pariser Eiffelturm angewandt wurde. Der Rheinübergang ist bei Fussgängern wie Velofahrern sehr beliebt und aus dem Stadtbild nicht wegzudenken. (ach)

Es gehe ferner darum, für das Kraftwerk-Ensemble Investoren und eine Trägerschaft zu finden. Seitens der Energiedienst AG gebe es Andeutungen, das für den Abriss eingeplante Geld eventuell einer Sanierung zur Verfügung zu stellen. «Das Objekt wurde auf welthistorische Ebene hochkatapultiert», hält Kurt Beretta fest, der im vergangenen Spätsommer an einer internationalen Konferenz teilgenommen hatte, die sich mit technischen Kulturdenkmälern beschäftigte.

«Sorgfaltspflicht verletzt»

«Die älteste bestehende Anlage zur Nutzung erneuerbarer Energie sollten wir in Ehren halten.» Beretta signalisiert Unterstützung vom Aargauer Heimatschutz, der ein «Unterschutzstellungsverfahren» eingeleitet habe. Dann wird Beretta noch deutlicher: «Der Denkmalschutz hat in seinen früheren Stellung-nahmen die Sorgfaltspflicht klar verletzt.» Rheinfelden bekomme Unterstützung von namhaften Leuten, die Erfahrungen mit industriellem Weltkulturerbe hätten. «Die Schweiz hat die Hauptverantwortung, wenn gegen den Rat von internationalen Experten abgerissen wird.»