Mundart
Aus für den Mundart-Samichlaus

In Oberentfelden redet der Samichlaus nicht so, wie ihm der Schnabel gewachsen ist. Grund dafür ist der hohe Ausländeranteil im Kindergarten.

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Samichlaus

Samichlaus

Aargauer Zeitung

Maja Sommerhalder

«Ich be de Samichlaus und chome us em tüfe Tannewald. Und de dunkli Maa näbed mer, esch de Schmutzli», grüsst der Samichlaus im vertrauten Mundartdialekt.

Nicht so in einer Kindergartenklasse in Oberentfelden. Dort redet der Mann mit dem langen weissen Bart Hochdeutsch, wenn er heute die Kleinen besucht. «Die Standardsprache ist kein Müssen», sagt eine Kindergärtnerin. «Ich habe unserem Samichlaus nur gesagt, dass er Hochdeutsch sprechen soll, wenn es möglich ist.» Der Grund sei der hohe Ausländeranteil: «Nicht alle Kinder verstehen Schweizerdeutsch.»

Diese Regelung mache Sinn, wenn es in einer Klasse sehr viele fremdsprachige Kinder gebe, meint Tobias Leuthard, Leiter der Schule Entfelden: «Das kann aber jeder Lehrer selbst entscheiden. Es gibt keine Richtlinien für den Samichlausbesuch.» Im Lehrplan festgehalten sei aber, dass die Hälfte des Unterrichtes im Kindergarten auf Hochdeutsch gehalten werden muss. In der Unterstufe werde dann im Unterricht nur noch Standardsprache gesprochen.

Schmutzli bleibt Schmutzli

An diese Vorgaben hält sich auch die Schule Spreitenbach, die ebenfalls einen hohen Ausländeranteil hat. «Selbstverständlich muss der Chlaus bei uns aber nicht Standardsprache sprechen», so Unterstufenleiterin Moria Zürrer. Patrick Marty von der St. Nikolaus-Gesellschaft Spreitenbach jedenfalls hat bisher immer Schweizerdeutsch mit den Kindergärtlern und Schülern geredet: «Bei Bedarf würden wir uns aber anpassen. Schliesslich wollen wir, dass die Kinder unsere Botschaften verstehen.» Einen italienisch sprechenden Samichlaus gebe es in Spreitenbach schon seit vielen Jahren. «Dieser besucht aber Familien und nicht Schulklassen.»

Auf Wunsch spricht auch Samichläusin Manuela Walser von der Chlaus-Gruppe Böttstein/Kleindöttingen Hochdeutsch, die vor allem Familien besucht. «Das kommt aber selten vor.» Trotz Standardsprache übersetzt sie dann Begriffe wie Schmutzli oder Samichlaus aber nicht: «St. Niklaus oder Knecht Ruprecht sind keine passende Übersetzungen.» Leiterin der Schule Böttstein Gabi Spuhler ist der Meinung, dass der Samichlaus ruhig Mundart reden darf: «Schliesslich ist es ein Schweizer Brauch.» In gewissen Situationen sei Standardsprache aber sinnvoll. In der Unterstufe Böttstein spreche der Samichlaus jedenfalls Mundart. «Wie es im Kindergarten aussieht, weiss ich nicht.»