Aus der Warteschlaufe an die Urne

Seit drei Jahren liegt in Aarwangen ein Projekt für ein neues Verwaltungsgebäude vor. Verzögert wurde es durch zusätzliche Abklärungen in Sachen Schule. An seiner letzten Sitzung nahm der Gemeinderat das Geschäft wieder auf. Im Frühling will er es an die Urne bringen.

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Solothurner Zeitung

Jürg Rettenmund

«Das neue Verwaltungsgebäude ist das Geschäft, das bei uns bereits am längsten in der Warteschlaufe liegt», sagt der Aarwanger Gemeindepräsident Hans Leuenberger (SVP). Konkret existiert seit ziemlich genau drei Jahren ein Projekt für einen Neubau hinter dem Gemeinde- und dem Dorfschulhaus. An seiner letzten Sitzung beschloss der Gemeinderat, es aus der Warteschlaufe zu nehmen und am Wochenende vom 6./7. März an die Urne zu bringen, damit die Stimmberechtigten darüber befinden können.

Verkehrs-Broschüre kommt

Am Freitag stellte das Netzwerk Verkehr eine Broschüre vor, in der es Sanierungsmassnahmen für die Ortsdurchfahrt von Aarwangen ohne Autobahnzubringer Oberaargau vorstellte (vgl. Samstag-Ausgabe). Informiert wurde, dass diese in alle Haushalte von Aarwangen, Bannwil, Bützberg Langenthal und Schwarzhäusern verteilt wird. Gestern war der Aarwanger Gemeindepräsident Hans Leuenberger (SVP) allerdings noch nicht im Besitz der Broschüre. Er zeigte sich denn auch etwas befremdet darüber, dass die direkt betroffenen Behörden bisher nicht informiert wurden.
Die Broschüre werde Mitte dieser Woche verteilt, erklärt dazu Adrian Wüthrich, Mitglied des Netzwerks und Präsident des Verkehrsclubs der Schweiz (VCS), Region Oberaargau-Emmental. Zudem werde sich das Netzwerk offiziell in die aufliegende Ortsplanungs-Revision einbringen.
Leuenberger geht davon aus, dass Massnahmen an der Ortsdurchfahrt erst Sinn machen, wenn der Durchgangsverkehr weg ist. Demgegenüber betont Wüthrich, es gehe darum aufzuzeigen, dass das Leiden der Aarwangener ohne neue Strasse und damit viel früher gelindert werden könne. (jr)

An der Gemeindeverwaltung liegt es nicht, dass die ursprünglich ins Auge gefassten Termine im Juni 2007 und Februar 2008 wieder fallen gelassen wurden. Denn diese arbeitet nach wie vor in engen Platzverhältnissen in einem Teil der stattlichen Liegenschaft am Dorfkreisel. Hinter dem Tierlihuus befindet sich zudem seit Frühjahr 2008 ein Pavillon für den Regionalen Sozialdienst. «Eine unschöne Situation», wie Leuenberger sagt. Auch für den Sozialdienst soll mit dem Verwaltungsgebäude eine Lösung gefunden werden, weil sich die historischen Räume im Tierlihuus schlecht für dessen Büros eignen.

Dorfschulhaus ohne Schüler?

Zu den Verzögerungen führten offene Fragen zur Entwicklung der Schule. Der Gemeinderat wollte diese analysiert haben, bevor er über einen Neubau entschied. Im Frühjahr 2008 liess er sich deshalb von der Gemeindeversammlung den Planungskredit von 135 000 auf 180 000 Franken aufstocken. Er wollte zusätzlich abklären können, ob die Schule in der Sonnhalde konzentriert werden könnte. Denn damit würden die Schulräume im Dorfschulhaus für die Verwaltung frei. Gegenwärtig wird dort noch die Unterstufe unterrichtet.

Das Ergebnis liegt inzwischen vor: Gemäss Leuenberger könnten sämtliche Verwaltungsabteilungen und auch der Regionale Sozialdienst im bestehenden Schul- und Gemeindehaus untergebracht werden. Kostenmässig dürften sich Um- und Neubau die Waage halten, falls auch beim Umbau die attraktivere Gestaltung der Umgebung als Dorfplatz und die unterirdischen Parkplätze mit einbezogen würden.

Allerdings wären ohne neues Verwaltungsgebäude grössere Investitionen in der Schulanlage Sonnhalden nötig, die zu den laufenden hinzukämen (nach der bereits sanierten Schwimmhalle sind die Sanierung von Heizung und Aula so weit aufgegleist, dass sie der Gemeindeversammlung unterbreitet werden können).

Stapel nicht weiter anwachsen lassen

Noch seien bezüglich Schule allerdings nicht alle Fragen geklärt, hält Leuenberger fest, und nennt vor allem die Frage der Basisstufe, zu der sich der Kanton noch nicht festgelegt hat. «Wir können aber den Stapel unserer anstehenden Projekte nicht immer grösser werden lassen.» Deshalb habe der Gemeinderat entschieden, das älteste Vorhaben abstimmungsreif zu machen. «Das können wir deshalb gut, weil es fast abstimmungsreif ist», sagt der Gemeindepräsident. Der nötige Kredit dürfte sich in der Grössenordnung von fünf Millionen Franken bewegen. So viel hat der Gemeinderat im Finanzplan dafür reserviert.

Das Projekt des Langenthaler Architekturbüros Lüscher Egli AG sieht hinter dem Schulhaus einen winkelförmigen zweigeschossigen Neubau vor. Es war aus einem Ideenwettbewerb unter vier Architekturbüros als Sieger hervorgegangen. Neubau und Schulhaus sollen einen neuen Dorfplatz einrahmen. Indem das ans Schulhaus angebaute Gemeindehaus abgerissen würde, könnte die Platzsituation im Dorfzentrum zusätzlich verbessert werden.

Gemäss Leuenberger ist vor der Urnenabstimmung ein öffentlicher Informationsanlass vorgesehen, sobald die schriftliche Botschaft vorliegt. Dies dürfte Anfang Februar 2010 der Fall sein.

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