Aus altem Stellwerk wurde ein kleines Bahnmuseum

Weiche ist in die Zukunft gestellt

Weiche ist in die Zukunft gestellt

Der Verein Altes Stellwerk Wildegg hat das Wärterstellwerk während 10 Jahren renoviert. Am Wochenende konnten Interessierte zum ersten Mal das Werk besichtigen.

Michael Hunziker

Gestern am Tag der offenen Tür im Stellwerk Wildegg: «Zugeinfahrt von Schinznach, Weiche ist gestellt», ruft Max Holliger und riegelt an den Hebeln. Präsident Urs Rickli assistiert ihm bei der Weichenstellsimulation und fährt auf einem Plan mit einem Stock dem Verlauf der Schienen nach. Der Zug ist durch und nun dürfen die Besucher die langen Hebel zurückwuchten und die Weichen in die ursprüngliche Position stellen.

Dass ein solcher Anlass überhaupt möglich ist, ist den Mitgliedern des Vereins Altes Stellwerk Wildegg zu verdanken. Zusammen mit der Gemeinde retteten sie das Häuschen im Jahre 2000 im letzten Moment vor der Abrissbirne. «Ich musste mich durch Spinnweben kämpfen», erinnert sich Urs Rickli an den Tag zurück, als er das erste Mal dieses «Bijou» betrat. Sein Bähnler-Herz schlug hoch und schnell hatte er den Verein gegründet mit der Vision, das Stück Technik- und Eisenbahngeschichte zu konservieren.

Umfangreiche Renovationen

Das Stellwerk konnte von den SBB erworben werden, die es ein paar Wochen später dem Erdboden gleichgemacht hätte. Dann folgten 10 Jahre der Renovation. «Wenn ein Zug durchfuhr, rieselte schwarze Schlacke von der Decke hinunter», sagt Rickli. Und fügt an: «Es war auch ein ermüdender Papierkrieg, bis der 35 Meter lange Steg über den Aabach gebaut werden konnte.»

Doch der Aufwand hat sich gelohnt. Die Besucher staunen über die liebevoll hergerichteten Details. Und verfallen schon mal in nostalgisches Schwärmen. «Vor fünfzig Jahren besuchte ich als Schüler jeweils sonntags einen Bekannten, der hier gearbeitet hatte», erinnert sich einer, «hier war beispielsweise der Hebel, um die Barriere hochzuziehen, hinter der der fluchende Bauer mit seinem Heuwagen wartete.» Ein anderer Herr sagt beim Anblick der vielen Hebel im Schaltkasten: «Das ist ja wie ein Ur-Computer.»

Draussen pfeift ein Interregio nach Olten vorbei und Kinder schlagen die Meldeglocke. Drinnen werden weiter Weichen gestellt, an den Hebeln, die von 1915 bis 1998 die Züge in die richtigen Bahnen gelenkt hatten. Auch das Stellwerk ist auf gutem Weg: Seit Juni 2009 ist es im Verband Aargauer Museen und Sammlungen, und der Lehrpfad «Industriekultur am Aabach», der vom Schloss Hallwyl bis nach Wildegg führt, findet beim Stellwerk sein letztes Ziel.

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